Sonntag, 30. Dezember 2012

Filmkritik: Väter und andere Katastrophen (2012)

Was ist witziger, als ein Vater der sich auf der Hochzeit seiner Tochter daneben benimmt? Zwei Väter, die sich auf der Hochzeit ihrer Tochter daneben benehmen! Das dachte sich zumindest der französische Regisseur Martin Valente und beschert uns eine gelungene Verwechslungskomödie.

François Berléand
Bernard (François Berléand) ist ein pedantischer, französischer Millionär, der seit Jahren in England lebt und dennoch für jeden Dialog einen Dolmetscher beschäftigt. Nach dem Tod seiner Frau findet er in einem Kästchen Briefe, die anscheinend von einer in Frankreich lebenden Tochter stammen, von der Bernard bisher nichts wusste. Bernard beschließt zu versuchen, Chloé zu finden. In ihrem ehemaligen Wohnort in Frankreich trifft Bernard den arbeitslosen Koch Gustave (Gérard Jugnot), der glaubt, Chloés Vater zu sein, sich mit ihr aber zerstritten hat.
Es folgt eine Reihe von Verwechslungen: Gustave hält Bernard für einen potenziellen Autokäufer und nach einigem hin und her fahren beide gemeinsam nach Bordeaux, um die verlorene Tochter aufzusuchen, ohne, dass Bernard Gustave über seine tatsächliche Identität aufklärt. Wie es der Zufall so will, sucht Chloé (Olivia Ruiz) gerade für ihre anstehende Hochzeit mit einem amerikanischen Tennisprofi (Jamie Bamber) einen Schauspieler, der ihren Vater verkörpert. Bernard, der nicht begreiflich machen kann, dass er tatsächlich ihr Vater ist, bekommt nach dem Ausschalten eines Konkurrenten die Rolle. Gustave wird hingegen am Tag der Hochzeit für einen Aushilfskoch gehalten und versucht seinerseits, die Gunst von Chloé zurückzugewinnen...

Verwechslungskomödien sind meistens eine endlose Aneinanderreihung von Unwahrscheinlichkeiten. Neben einem Zuschauer, der sich dennoch auf das Szenario einlässt, ist eine Inszenierung von Vorteil, die den Zuschauer durch viel Charme und eine schnelles Pacing gar nicht erst dazu verleitet, näher über die ganze Geschichte nachzudenken. Martin Valente schafft zum Glück beides. Sein mit witzigen Dialogen und vielen Details gespicktes Drehbuch bekommt zwar nie eine sonderliche Tiefe, schafft es aber ohne nennenswerte Durchhänger von vorne bis hinten zu unterhalten. Besonders die vielen eingestreuten Andeutungen darauf, wer von den beiden Männern nun der tatsächliche Vater sein könnte, macht den Film selbst bei einer Zweitsichtung noch interessant, da es beinahe unmöglich ist, alle Anspielungen beim ersten Mal zu durchschauen. Vorhersagbarkeit der Handlung und eindimensionale Nebenfiguren sind die andere Seite der Medaille, aber in diesem Genre durchaus verzeihlich.
Auch die Regie des Franzosen, der bereits 2003 mit der Komödie Die Amateure in Erscheinung trat, kann die meiste Zeit überzeugen, auch wenn einige wenige Szenen, wie Bernards Versuch, ohne Berührung der Linien das Fliesenmuster der Kirche zu überqueren, etwas nach verschenktem Potenzial aussehen; das hätte ein anderer Regisseur bestimmt noch witziger hinbekommen.

Gérard Jugnot
Die Bilder von Kameramann Pierre-Yves Bastard (JCVD, 2008) sind hingegen makellos in sommerlichen Farben eingefangen. Die beiden wirklichen Gründe für das Funktionieren dieses Filmes sind aber eindeutig vor der Linse zu finden: Gérard Jugnot und François Berléand sind bereits in dem beliebten (aber auch etwas kitschigen) Musikfilm Die Kinder des Monsieur Mathieu (2004) als unkonventioneller Lehrer und spießiger Schulleiter gegeneinander angetreten. Die Idee, diese beiden Figuren (mit leichten Änderungen) als ungleiches Paar in ein Komödienformat zu übertragen, funktioniert ausgezeichnet. Die beiden Protagonisten wachsen einem sofort ans Herz und alleine das hervorragende Schauspiel der Darsteller lässt einen die kleinen Schwächen des Filmes schnell vergessen.

Bei seiner deutschen Kinoauswertung diesen Frühling konnte Väter und andere Katastrophen dennoch nur wenige tausend Zuschauer in die Säle locken, Freunde französischer Komödien sind wohl lieber in Ziemlich beste Freunde gegangen. Vielleicht ist Martin Valentes nächster Streich ja erfolgreicher. Das Potenzial dafür hat er jedenfalls.

Väter und andere Katastrophen ist eine gelungene Verwechslungskomödie, die zwar das Genre keineswegs revolutioniert, aber durch ein intelligentes Drehbuch und die beiden ausgezeichneten Hauptdarsteller dennoch hervorragend unterhält. 


Urheber des Fotos von François Berléand ist das Studio Harcout Paris. Es seht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported (CC BY 3.0).
Urheber des Fotos von Gérard Jugnot ist Esby. Es seht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

Freitag, 21. Dezember 2012

Das Filmjahr 2012: Innovation? Fehlanzeige!

Das Jahr ist fast vorüber, Zeit einen Blick zurückzuwerfen: Was hatte das vergangene Kinojahr an neuen Stoffen zu bieten? Welche Filme konnten die Zuschauer besonders begeistern? Und hat der 3D-Boom nachgelassen?

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Dies ist der erste Gedanke, der einem kommt, wenn man einen Blick auf die Liste der 25 erfolgreichsten Filme 2012 wirft. Denn Innovatives gab es in den großen Multiplexen kaum zu sehen.

Alte Bekannte: Men in Black 3
© 2012 Sony Pictures Home Entertainment
Acht Filme der Top-25 waren direkte Sequels eines oder mehrerer Vorgänger: American Pie: Das Klassentreffen, Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht – Teil 2, The Dark Knight Rises, The Expendables 2, Ice Age 4 – Voll verschoben, Madagascar 3: Flucht durch Europa, Men in Black 3, und 96 Hours – Taken 2 erzählten neue Episoden aus dem Leben ihrer beliebten Protagonisten. Auf die Bequemlichkeit der Zuschauer kann sich die Filmindustrie anscheinend verlassen: Lieber bekannte Themen und Charaktere, anstatt sich in eine neue Welt entführen zu lassen.
Dazu passt auch das Bedienen von bekannten Franchises: Sechs Filme führten zwar nicht direkt die Geschichte eines anderen Werkes fort, bedienten sich aber an bereits vorhandenen Charakteren, Welten oder Erzählstrukturen, um kein hohes Risiko einzugehen: The Amazing Spider-Man, Marvel’s The Avengers, Der Hobbit – Eine unerwartete Reise, Prometheus – Dunkle Zeichen, Skyfall und Step Up: Miami Heat sind hier zu nennen.

Die übrigbleibenden 16 Filme standen zwar in keinem Zusammenhang zu vorherigen Kinoproduktionen, aber auch hier versuchten die Studios meistens mit dem Rückgriff auf bereits Bekanntes die Zuschauer auf ihre Seite zu bekommen. Während Türkisch für Anfänger an dem Erfolg der gleichnamigen Fernsehserie anknüpfte, adaptierten vier Werke bekannte literarische Vorlagen: Die Macher von Fünf Freunde machten es sich mit der erfolgreichen Kinderbuchreihe am einfachsten, aber auch die Produzenten von Die Tribute von Panem – The Hunger Games und Cloud Atlas setzten Bücher um, die zumindest unter Fans der jeweiligen Genres recht erfolgreich waren. Und auch Snow White and the Huntsman hat mit seiner Neuinterpretation der Schneewittchen-Geschichte auf die internationale Bekanntheit des Märchens gesetzt.

Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen: Der französische Überraschungserfolg Ziemlich beste Freunde basiert zwar auf der Biografie von Pozzo di Borgo, diese kam in Deutschland aber erst nach Kinostart in die Buchhandlungen. Und auch die Kinoadaption der amerikanischen Fernsehserie Dark Shadows konnte in Deutschland auf keine Fangemeinde hoffen: Diese wurde hier nie gezeigt.
Echte Innovation hatten aber letztendlich tatsächlich nur vier Filme zu bieten: ted, Merida, Der Diktator und Hotel Transsilvanien kommen ohne eine fremde Vorlage aus. Die ersten drei konnten wohl vor allem durch den Bekanntheitsgrad der Autoren beim Publikum punkten, während Hotel Transsilvanien anscheinend mit der humorvollen Abarbeitung an den mannigfachen Horrorfilm-Klischees überzeugte.
Innovation ist beim Publikum also leider nur in Ausnahmefällen gefragt, vor allem Komödien scheinen durch Mundpropaganda manchmal für Überraschungen sorgen zu können.

Auch 3D-Filme sind mannigfach bei den erfolgreichsten Produktionen vertreten. Die Überlegung vieler Film-Fans, dass es sich bei dem durch Avatar ausgelösten 3D-Boom um einen kurzfristigen Trend handelt könnte, lässt sich also nicht bestätigen. Wie auch schon in den Jahren 2010 und 2011 waren 10 der 25 erfolgreichsten Filme im neuen Format in den Kinos zu sehen. Ob diese allerdings ohne die Technik vielleicht genauso erfolgreich gewesen wären, ist schwer zu beantworten. Dennoch ist wohl davon auszugehen, dass auch im Jahr 2013 die dritte Dimension eine große Rolle im Blockbuster-Kino spielen wird. Ob sich hierbei die neue Bildwechselfrequenz von 48 Bilder/Sekunde, die beim Hobbit erstmals in vielen Kinos zu sehen ist, ähnlich durchsetzen wird, bleibt aber abzuwarten.

Insgesamt hatte das Filmjahr 2012 wenige Überraschungen zu bieten. Hinter dem französischen Erfolg Ziemlich Beste Freunde finden sich vor allem direkte Fortsetzungen oder neue Geschichten aus bekannten Franchises. Es soll hier aber kein falscher Eindruck entstehen: Natürlich hat es in Wirklichkeit unzählige innovative Filme gegeben – nur sehen wollte sie anscheinend keiner.


Dienstag, 11. Dezember 2012

Filmkritik: Rat mal, wer zum Essen kommt (1967)

Mitte der 60er Jahre, als in den Südstaaten der USA noch Rassentrennung herrschte, war Rassismus im liberalen Großbürgertum New Yorks schon lange kein Thema mehr... oder? Stanley Kramers unterhaltsamer Blick hinter die Fassade der Toleranz kam heute vor 45 Jahren in die amerikanischen Kinos.

(c) Sony Pictures Home Entertainment
Joanna (Katharine Houghton) ist überglücklich: Sie hat auf einer Hawaii-Reise den Mann ihrer Träume kennen gelernt: Dr. John Prentice (Sydney Poitier) ist gutaussehend, gebildet, charismatisch, engagiert und wohlhabend; der perfekte Schwiegersohn. Die Verlobung lässt nicht lange auf sich warten, doch als Joanna den zukünftigen Ehemann ihren Eltern vorstellt, sind diese nicht gerade begeistert. Denn auch wenn sie natürlich gegen jegliche Diskriminierung sind, haben sich Christina (Katharine Hepburn) und Matt Drayton (Spencer Tracy) den zukünftigen Mann ihrer Tochter doch irgendwie... weißer vorgestellt. Als Joanna dann auch noch spontan Johns Eltern zum Abendessen einlädt, sind Konflikte vorprogrammiert...

Auch wenn Stanley Kramers Spielfilm als ein Plädoyer gegen den Rassismus bezeichnet werden kann, erwartet den Zuschauer hier kein schwergewichtiges Drama, sondern trotz einiger ernster Momente eher ein leichtfüßiger Unterhaltungsfilm. Dieser punktet vor allem mit seiner Besetzung: Denn bis in die Nebenrollen gibt es hier nur großartige Schauspieler zu bewundern, allen voran natürlich Katharine Hepburn und Spencer Tracy als Elternpaar. Lediglich Katharine Houghton als Joanna bleibt ein wenig blass und nervt sogar gelegentlich mit ihrer Naivität, weshalb man sich manchmal fragt, was John eigentlich an ihr findet.

Neben den Darstellern glänzt Rat mal, wer zum Essen kommt vor allem mit seinen pointierten Dialogen, die einen immer wieder zum Schmunzeln bringen und zurecht mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. Auch die Charakterisierungen der einzelnen Figuren sind sehr gelungen und teilweise unerwartet: So ist die farbige Angestellte der Familie die rassistischste Figur von allen, während ein befreundeter katholischer Priester die Eltern dazu auffordert, Toleranz nicht nur zu fordern, sondern auch zu leben.

Rat mal, wer zum Essen kommt ist deutlich ein Produkt seiner Zeit: So ist der Konflikt zwischen Vorurteilen und Toleranz auch ein Konflikt zwischen den Generationen: Denn während die Eltern der beiden Verlobten ihre Vorbehalte haben, sehen Joannas Freunde gar kein Problem und auch Joanna selbst kommt bis zur Aussprache überhaupt nicht der Gedanke, dass ihre Eltern irgendetwas gegen die Hochzeit haben könnten.
Auch die zur Zeit der Dreharbeiten in vollem Gange befindliche Bürgerrechtsbewegung wird thematisiert, so fragt die Hausangestellte an einer Stelle genervt, ob denn Martin Luther King auch noch aufkreuzen würde. Noch während der Film in den amerikanischen Kinos lief, wurde der schwarze Bürgerrechtler ermordet, weshalb die Szene herausgeschnitten und erst bei späteren Veröffentlichungen wieder hinzugefügt wurde. Ein weiterer Dialog, bei dem der Film von der Geschichte überholt wurde, blieb jedoch bestehen: Die Aussage von Johns Vater, dass diese Ehe in 16 oder 17 Staaten verboten sei, war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon nicht mehr aktuell: Der Oberste Gerichtshof hatte die rassistische Gesetzgebung für nicht verfassungsgemäß erklärt.

Wir wären natürlich nicht in Hollywood, wenn die ganze Geschichte nicht kontinuierlich auf ein Happy End zusteuern würde. So wird das titelgebende Abendessen auch nicht zu einem Eklat à la Der Gott des Gemetzels, sondern endet versöhnlich. Die schließende Abschlussrede von Spencer Tracy ist durchaus bewegend. Wenn man bedenkt, dass der Schauspieler zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank war und somit jeder am Set wusste, dass dies die letzten Worte sein würden, die er vor laufender Kamera spricht, bekommt sie auch noch zusätzliches Gewicht. Zum Glück verzichtet Kramer hier auf kitschige Musik, weshalb der Monolog trotz seiner an eine Agatha-Christie-Verfilmung erinnernden Theaterhaftigkeit funktioniert – nicht zuletzt natürlich auch wieder durch die großartigen schauspielerischen Leistungen.

Insgesamt ist Rat mal, wer zum Essen kommt zu oberflächlich, um als ernstzunehmende Abrechnung mit dem Rassismus zu funktionieren. Dennoch handelt es sich um gelungenes Mainstream-Kino, das vor allem durch seine hervorragenden Schauspieler und Dialoge auch fast ein halbes Jahrhundert später noch ausgezeichnet unterhält.

Montag, 12. November 2012

Filmkritik: Luna Papa (1999)

Moritz Bleibtreu in einer seiner ungewöhnlicheren Rollen: In der absurden Komödie Luna Papa des tadschikisch-russischen Regisseurs Bakhtiar Khudojnazarov spielt er den geistig zurückgebliebenen Bruder der Protagonistin.

Nasreddin, Mamlakat und Safar (© STUDIOCANAL GmbH)
Die junge Usbekin Mamlakat (Chulpan Khamatova) möchte gerne Schauspielerin werden. Als eines Tages in einer nahe gelegenen Stadt eine Theatergruppe auftritt, muss sie natürlich dabei sein. Sie verpasst die Vorstellung und wird von einem mysteriösen Fremden verführt, der behauptet, einer der Schauspieler zu sein, aber unerkannt verschwindet. Es kommt, wie es kommen muss: Mamlakat wird schwanger. Um die Ehre der Familie zu retten, macht sie sich mit ihrem Vater Safar (Ato Mukhamedshanov) und ihrem zurückgebliebenen Bruder Nasreddin (Moritz Bleibtreu) auf die Reise, um die Identität des Erzeugers herauszufinden. Eine chaotische Odyssee durch Zentralasien beginnt...

„Monty Python in Tadschikistan“ steht auf der Hülle der Arthaus-DVD, eine Werbung, die natürlich Erwartungen heckt, die nicht so leicht zu erfüllen sind. Tatsächlich sind Gemeinsamkeiten zu entdecken zwischen dieser internationalen Co-Produktion aus dem Jahr 1999 und den Werken der britischen Komikertruppe: Der Hang zu durchgängiger Blödelei ohne tatsächliche Pointen, in der die eigentliche Handlung zur Nebensache wird, ist auch in Luna Papa nicht zu übersehen. Doch die Art des Humors, mit der die dadurch entstehende Lücke gefüllt wird, ist dann doch sehr unterschiedlich. Während die britischen Komiker ihre Gags vor allem aus den Dialogen entwickelten, regiert bei Khudojnazarov der Slapstick: Es vergehen keine zwei Minuten in denen nicht jemand umfällt oder geschlagen wird oder ein Auto irgendetwas umfährt. Und wenn die drei Protagonisten im Theater sind, dann schläft natürlich einer von ihnen laut schnarchend ein. Das kann man witzig finden, muss man aber nicht.

Moritz Bleibtreu als Nasreddin (© STUDIOCANAL GmbH)
Wenn einen diese Art von Humor nicht besonders anspricht, dann bleibt leider nur wenig, woran man sich ansonsten erfreuen kann. Die Handlung ist ziemlich platt geraten und die wenigen ernsten Momente wirken in der allgemeinen Absurdität eher deplatziert (mir zumindest fällt es schwer, ernsthaft um eine Figur trauern, die gerade von einer vom Himmel gefallenen Kuh erschlagen wurde). Moritz Bleibtreu spielt den zurückgebliebenen Nasreddin (benannt nach dem türkisch-islamischen Äquivalent zu Til Eulenspiegel) zwar überzeugend (und spricht im Original sogar russisch!), doch allgemein können die guten schauspielerischen Leistungen den Gesamteindruck nur wenig bessern.

Ein tatsächlicher Lichtblick sind da die märchenhafteren Momente: Der Titel des Filmes kommt nämlich nicht von ungefähr, denn wenn Mamlakat verführt wird, scheint es tatsächlich eher der Mond zu sein, der sie schwängert, als der Mann, der nur als Silhouette zu sehen ist. Und wenn Mamlakat dann während(!) des Akts einen scheinbar endlosen Abhang hinunterrutscht, wie Alice, die in den Kaninchenbau hinabgleitet, dann spürt man für einen kurzen Moment doch das magische Potenzial, das in dieser Geschichte steckt. Doch leider sind solche Momente viel zu rar gesät, lediglich wenn die Protagonistin am Ende beschließt, die Dorfgemeinschaft hinter sich zu lassen, geschieht dies nochmals auf fantastische Weise.

Insgesamt ist Luna Papa daher leider eher eine Enttäuschung: Die Story ist eher unspektakulär, die Gags sind zu körperbetont und das märchenhafte Potenzial wird nicht genügend ausgeschöpft. Wer sich jedoch an viel Slapstick, Chaos und einem behinderten Moritz Bleibtreu erfreuen kann, der sollte Luna Papa vielleicht trotzdem eine Chance geben - denn eines muss man dem Film zugutehalten: Ungewöhnlich ist er auf jeden Fall. 


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Mittwoch, 7. November 2012

Kurzkritiken November 2012

Nicht bei jedem Film bietet es sich an, eine längere Rezension zu verfassen. Aus diesem Grund werde ich in Zukunft zusätzlich zu meinen längeren Filmbesprechungen auch gelegentlich gesammelte Kurzkritiken zu Filmen veröffentlichen, die ich in den vorangegangenen Wochen gesehen habe. Den Anfang mache ich heute mit einer bunten Mischung: Der eher unbekannten Literaturverfilmung Ballet Shoes mit Emma Watson, der im Frühjahr auf DVD erschienenen irischen Komödie The Guard - ein Ire sieht schwarz, Woody Allens Klassiker Manhattan und dem ersten vollständig computeranimierten Langfilm Toy Story.

Ballet Shoes (2007)

Emma Watson (2012)
Nachdem ein Paläontologe (Richard Griffiths) seine Nichte Sylvia (Emilia Fox) adoptiert, bringt er im Laufe der Jahre drei Babys von seinen Reisen mit, die von Sylvia großgezogen werden. Als sie älter sind, beschließen Pauline (Emma Watson), Petrowa (Yasmin Paige) und Posy (Lucy Boynton), auf eine Tanz- und Schauspielschule zu gehen, doch während Pauline bald die Hauptrolle in Alice im Wunderland spielt und Posy große Fortschritte im Ballett-Tanz macht, würde Petrowa eigentlich viel lieber Automechanikerin werden. Doch das ist nicht das einzige Problem: Geldsorgen und Sylvias angeschlagene Gesundheit lassen die Zukunft sehr ungewiss erscheinen...

Ballet Shoes ist eine Literaturverfilmung der BBC des gleichnamigen Buches von Noel Streatfeild aus dem Jahre 1936. Die schauspielerischen Leistungen sind sehr gut, doch es wirkt etwas befremdlich, dass drei Darsteller (Richard Griffiths, Emma Watson und Gemma Jones) aus den Harry-Potter-Filmen bekannt sind. Die musikalische Untermahlung von Kevin Sargent, die auf dem Ballett-Stück Tanz der Zuckerfee basiert, hat mir gut gefallen und auch Regie und Kameraarbeit sind für eine Fernsehproduktion auf hohem Niveau. Leider weiß die Geschichte nach ungefähr zwei Dritteln nicht mehr wirklich, wo sie eigentlich hin will, weshalb sich alles in einem sehr unglaubwürdigen Happy-End auflöst. Insgesamt ist Ballet Shoes daher trotz allem eher oberflächliche Unterhaltung, von der wenig hängen bleibt.


The Guard – Ein Ire sieht schwarz (2011)

Brendan Gleeson (2005)
Der zynische irische Polizist Gerry Boyle (Brendan Gleeson) arbeitet in einem verschlafenen Städtchen an der irischen Westküste. Dass er nach dem Tod eines Mitglieds eines Drogenhändlerrings mit dem afroamerikanischen FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle) zusammenarbeiten muss, passt ihm gar nicht in den Plan. Doch als klar wird, dass der nächste Coup der Bande in Boyles Zuständigkeitsbereich stattfinden wird und dann auch noch sein Partner McBride verschwindet, wird schnell klar, dass dem Guard nichts anderes übrig bleiben wird, als mit Everett zu kooperieren...

Der erste Spielfilm von John Michael McDonagh, dem Bruder von Regisseur Martin McDonagh (Brügge sehen... und sterben?), ist durchaus unterhaltsam geraten. Der schwarze Humor und die schrägen Charaktere funktionieren gut, doch leider ist The Guard – ein Ire sieht schwarz etwas holprig. Vor allem die erste halbe Stunde ist eher eine Ansammlung an skurrilen, fast ausnahmslos aus dem Trailer bekannten Szenen, als dass man hier wirklich von einer gelungenen Einleitung sprechen kann und später wird es dann auch eher vorhersehbar. So sind es vor allem die Schauspieler, die diesen Film tragen (und ja, mit Brendan Gleeson haben wir auch hier einen Vertreter aus den Harry-Potter-Filmen). Natürlich unterhält aber auch der eine oder andere gelungen Einfall, wie Gangster, die von typischen Gangster-Film-Sprüchen genervt sind. Insgesamt aber eher durchschnittlich.


Manhattan (1979)

Der für das Fernsehen schreibende Isaac (Woody Allen) hat es schwer mit den Frauen. Zwei Scheidungen hat er bereits hinter sich und auch die Beziehung zu der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) sieht er aufgrund des Altersunterschiedes als nicht zukunftsfähig an. Als er sich dann auch noch in die Geliebte seines bestens Freundes verliebt und eine seiner Ex-Frauen in einem Buch Isaacs intimsten Geheimnisse enthüllt, ist das Chaos perfekt...

Manhattan ist, wie der Titel schon vermuten lässt, eine Liebeserklärung an New York. Und tatsächlich sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Stadt, unterlegt mit der Musik von George Gershwin, schön anzusehen. Wie schon in Der Stadtneurotiker (1977) ist die Handlung der Geschichte dabei eher sekundär, Woody Allen konzentriert sich vor allem auf intelligente, humorvolle Dialoge und Situationen zwischen den von exzellenten Darstellern gespielten Protagonisten. Dabei erreicht Manhattan die Witzigkeit seines Vorgängers jedoch leider nicht, weshalb die eher uninteressante Story nach einer Weile deutlich auffällt. Und auch die wenigen ernsteren Szenen wirken eher unpassend, als dass sie den Film auf ein höheres Niveau heben würden. Dass Manhattan als einer von Allens besten Werken gilt, kann ich daher leider nicht ganz nachvollziehen, da gefiel mir Midnight in Paris beispielsweise deutlich besser.


Toy Story (1995)

Wir haben es als Kinder doch schon immer geahnt: Wenn wir den Raum verlassen, erwachen unsere Spielzeuge zum Leben. Auch im Kinderzimmer des kleinen Andy ist dies nicht anders. Als eines Tages ein Geburtstagsgeschenk, der überhebliche Captain Buzz Lightyear, die Rolle des Lieblingsspielzeugs einzunehmen droht, plant der bisherige Amtsinhaber Cowboy Woody einen hinterhältigen Anschlag. Doch alles geht schief und Woody und Buzz gehen gemeinsam verloren. Um wieder nach Hause zu kommen müssen die beiden Rivalen von nun an zusammenarbeiten...

17 Jahre ist es nun also schon her, als der erste abendfüllende computeranimierte Film in die Kinos kam. Und dem Begründer eines ganzen Genres sieht man sein Alter durchaus an. Die Animationen sind eher rudimentär, vor allem in der Darstellung von menschlichen Gesichtern ist noch eine gewisse Leblosigkeit zu erkennen. Doch wirklich stören tut das nicht, denn Toy Story ist witzig und spannend und mit vielen Anspielungen an die Filmgeschichte und natürlich an berühmte Spielzeuge gespickt und ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ein einfach gut unterhaltender Film. Die Gesangseinlagen vom Komponisten Randy Newman wirken allerdings etwas deplatziert. Zum Glück wurde auf diese in späteren Filmen der Pixar-Studios verzichtet.


Urheber des Fotos von Emma Watson ist David Shankbone. Es seht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0)
Urheber des Fotos von Brendan Gleeson ist Mario Antonio Pena Zapatería. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

Montag, 29. Oktober 2012

Media Monday #70

Auch heute möchte ich mal wieder den Fragebogen beantworten, den das Medienjournal-Blog jeden Montag veröffentlicht. Diesmal geht es um Brad Pitt, Alfred Hitchcock und Zukunftsvisionen.

Meine Antworten sind fett und lila formatiert:

1. Brad Pitt gefiel mir am besten in Babel, weil man ihm seine Hilflosigkeit wirklich abnimmt und deshalb richtig mitfühlen kann. Insgesamt ist Pitt aber eigentlich in jeder Rolle ziemlich grandios, eindeutig einer meiner Lieblingsschauspieler.

2. Alfred Hitchcock hat mit Psycho seine beste Regiearbeit abgelegt, weil die Idee, in der Mitte des Filmes die Hauptfigur sterben zu lassen, so wunderbar gegen die Erzählkonventionen verstößt und dennoch herausragend funktioniert. Der Mord in der Dusche ist außerdem wirklich grandios inszeniert und geschnitten und daher zurecht eine der bekanntesten Szenen der Filmgeschichte.

3. Kate Beckinsale gefiel mir am besten in Weil es dich gibt, weil es anscheinend der einzige Film ist, den ich mit ihr gesehen habe. Und auch wenn es eine recht durchschnittliche romantische Komödie ist, macht sie ihren Job darin echt nicht schlecht.

4. Es gibt ja an allerlei Orten zu allerlei Zeiten immer mal wieder Zombie-Walks, die sich auch großer Beliebtheit erfreuen. Aber warum eigentlich immer nur Zombies? Welche Themen-Walks würdet ihr euch mal wünschen?
Figuren aus Per Anhalter durch die Galaxis wäre bestimmt ganz lustig, ich glaube, da würde ich mich als Petunie verkleiden. 

5. Welches Buch hat euch am meisten enttäuscht, nachdem ihr es auf Empfehlung gelesen habt?

6. Ausprägungen der Science-Fiction gibt es viele, aber welche Zukunftsvisionen sind euch die Liebsten? Hochtechnisiert oder doch lieber rückständig und dreckig, mit Aliens oder lieber ohne, Endzeitstimmung oder epische Utopien/Dystopien?
Am liebsten sind mir Zukunftsvisionen, die sich in nur relativ geringem Maße von unserer Gegenwart unterscheiden und dabei relativ dystopisch sind, ohne gleich apokalyptisch zu sein, also eine etwas dreckigere, ärmere und totalitärer geführte Version der wirklichen Welt sind. Beispiele dafür wären Children of Men, Looper oder Blade Runner.

7. Mein zuletzt gesehener Film ist Mystic River und der war immer noch sehr gut, aber nicht so gut wie bei der Erstsichtung, weil der Film doch viel seiner Spannung aus der Frage bezieht, wer denn nun tatsächlich der Mörder ist. Kritik folgt.

Den leeren Fragebogen und die Antworten vieler anderer Blogger findet ihr im Medien-Journal-Blog.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Filmkritik: Die Schachspielerin (2009)

Kevin Kline wird heute 65 Jahre alt. Der in Saint Louis geborene Schauspieler ist vor allem bekannt aus Filmen wie Ein Fisch namens Wanda (1988), Wild Wild West (1999) und Freundschaft Plus (2011). Zu seinem Ehrentag möchte ich jedoch einen eher unbekannten Film vorstellen, in dem der Oscar-Preisträger eine wichtige Nebenrolle spielt: Das französische Drama Die Schachspielerin aus dem Jahr 2009.

Kevin Kline (2009)
Die mit ihrer Familie auf Korsika lebende Hélène (Sandrine Bonnaire) arbeitet als Reinigungskraft. Als sie eines Tages bei der Arbeit im Hotel ein wohlhabendes, verliebtes amerikanisches Pärchen beim Schachspiel beobachtet, ist ihre Neugierde geweckt und sie schenkt ihrem Mann einen Schachcomputer, um gemeinsam mit ihm zu spielen. Dieser zeigt jedoch wenig Interesse und so beginnt Hélène bald, sich selbst das Spiel beizubringen. Kurz darauf kann sie sogar einen ihrer Kunden, den zurückgezogen lebenden Witwer Dr. Kröger (Kevin Kline), davon überzeugen, ihr dabei zu helfen, eine gute Schachspielerin zu werden. Das Spiel wird beinahe zu einer Sucht für Hélène und sie beginnt, sowohl ihre Familie als auch die Arbeit zu vernachlässigen, was natürlich zu Konflikten führt. Dann schlägt Kröger sogar vor, dass sich Hélène zu einem Turnier anmelden sollte...

Caroline Botarros Film aus dem Jahre 2009 basiert auf dem gleichnamigen Roman der französischen Autorin Bertina Henrichs, der vier Jahre zuvor erschien. Der Plot entspricht eigentlich dem eines typischen Sportfilms: Ein(e) Außenseiter(in) beginnt sich für einen Sport zu begeistern und findet einen zuerst widerspenstigen Mentor, der ihn oder sie für einen großen Wettkampf trainiert der am Ende des Filmes stattfindet und aus dem die Hauptfigur entweder siegreich hervorgeht oder sich zumindest überraschend gut schlägt. Dennoch ist Die Schachspielerin ein wenig mehr als eine auf das Schachbrett verlagerte Rocky-Kopie, denn der Film lässt sich auch auf einer zweiten Ebene lesen. Unter dem Motto „Die Dame ist die stärkste Figur im Spiel“ erzählt Botarro von einer Frau, die sich mit Hilfe des Schachspiels aus ihrer von ihrer Umgebung zugeschriebenen Rolle emanzipiert.

Zu Beginn ist Hélène mit typischen weiblichen Rollenklischees besetzt: Nicht nur ist sie Hausfrau und Mutter sondern arbeitet zudem ausgerechnet als Reinigungskraft. Weder ihr Mann, noch ihre Tochter, noch ihre Arbeitgeberin zollen ihr Anerkennung in irgendeiner Form, selbst für Kröger ist sie erst nur „die Putzfrau“, an deren Namen er sich nicht erinnern kann. Als sie dann im Hotel das junge Paar beobachtet, das alles zu verkörpern scheint, was die Protagonistin nicht hat (Romanze, Erfolg, Selbstverwirklichung), erhofft sich Hélène, diesem Traum durch das Schachspielen näher zu kommen. Das bedeutet aber, dass sie sich in der Männerdomäne des Schachspiels behaupten muss und dass sie lernen muss, sich gegen die Männer durchzusetzen, die sie nicht ernst nehmen wollen: Ihren Mann, Dr. Kröger und den Ausrichter des Turniers. Als sie dies schafft, wird ihr auch die erwünschte Anerkennung zuteil: So beginnt ihre Familie sie zu unterstützen und ihre Tochter sagt ihr anscheinend zum ersten Mal, dass sie stolz auf ihre Mutter sei. Das ist der eigentliche Sieg der Protagonistin, ob sie am Ende auch das Turnier gewinnen wird oder nicht, ist sekundär.

Die schauspielerischen Leistungen in Die Schachspielerin sind durchweg gut; Sandrine Bonnaire und Kevin Kline geben ihren Figuren viel Tiefe. Das Niveau von Klines Französischkenntnissen lässt sich in der deutschen Synchronisation aber natürlich nicht feststellen. In dieser wird er übrigens ausnahmsweise nicht von Arne Elsholtz gesprochen, sondern von Reinhard Brock, was aber nicht weiter stört. Positiv hervorzuheben ist auch die Filmmusik von Nicola Piovani, der vor allem durch seine mit einem Oscar ausgezeichneten Arbeit an Das Leben ist schön bekannt wurde.

Insgesamt ist Die Schachspielerin trotz allem kein besonders herausragender Film, dafür ist die Story einfach zu vorhersehbar, aber durch die guten Leistungen der Darsteller und den leichten feministischen Touch der Story unterhält er insgesamt doch ziemlich gut und ist zudem ein weiterer Beleg dafür, dass Kevin Kline auch in ernsten Rollen zu überzeugen weiß.

Urheberin des Fotos ist Chrisa Hickey. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported (CC BY 3.0).

Freitag, 19. Oktober 2012

Filmkritik: Looper (2012)

Nach 50/50 – Freunde fürs (Über)Leben und The Dark Knight Rises ist Joseph Gordon-Levitt nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr in den deutschen Kinos zu sehen. Im Zeitreise-Thriller Looper spielt der 31-Jährige einen Auftragskiller, der sein zukünftiges Ich töten muss.

Joseph Gordon-Levitt
In ungefähr 60 Jahren wird das Zeitreisen erfunden, doch aufgrund der großen Gefahren schnell verboten. Doch das hilft nicht viel, denn bald bekommt eine kriminelle Organisation eine Zeitmaschine in die Finger und nutzt sie, um unliebsame Personen loszuwerden: Diese werden gefesselt zurück in das Jahr 2044 geschickt, wo sogenannte Looper bereits mit Kanone im Anschlag darauf warten, das jeweilige Oper zu töten. In der Zukunft wird nie eine Leiche gefunden und in der Gegenwart wird niemand vermisst – das perfekte Verbrechen. Entlohnt werden die Looper mit an den Opfern befestigten Silberbarren, die sie im inzwischen deutlich verarmten Amerika auch bitter nötig haben und sei es nur, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren. Doch der Job hat einen Haken: Irgendwann wird auch das dreißig Jahre ältere Ich des Loopers in der Zeit zurückgeschickt und der Auftragskiller muss „sich selbst“ töten, was mit einer erheblichen Bonuszahlung vergütet wird. Der Loop ist geschlossen und der Looper ist, zumindest für die drei Jahrzehnte die ihm noch bleiben, ein wohlhabender Mann. Doch als Joe (Joseph Gordon-Levitt) seinem gealterten Spiegelbild (Bruce Willis) gegenübersteht, kann dieser fliehen und versucht, den Verlauf der Geschichte zu ändern...

Bruce Willis
Zeitreisefilme sind immer ein bisschen problematisch. So gut das Drehbuch auch geschrieben sein mag, im Endeffekt ist jede Geschichte, in der jemand seine eigene Gegenwart durch Manipulation der Vergangenheit verändern will, fürchterlich paradox. Und doch oder vielleicht gerade deswegen machen sie unheimlich Spaß. Looper macht dabei jedoch einiges anders als Vorgänger wie z.B. Terminator oder Zurück in die Zukunft. Die Idee, dass die junge und alte Version der selben Person unterschiedliche Interessen verfolgen und deshalb gegeneinander arbeiten ist grandios und wird gut ausgearbeitet. Die Zukunft, die bis auf die weiterentwickelte Unterhaltungselektronik so aussieht wie eine heruntergekommene Version unserer Gegenwart, ist wunderbar düster und erinnert ein wenig an Children of Men. Ähnlich wie in diesem geht es in Looper nicht darum, eine zweistündige Action-Achterbahnfahrt à la Christopher Nolan abzuliefern. Nach einem recht spektakulären Auftakt wird der Film unerwartet ruhig, was der Spannungskurve etwas schadet, dafür aber den Charakteren sehr zu Gute kommt. Dennoch passen die unterschiedlichen Teile von Looper teilweise in ihrer Stimmung nicht so ganz zusammen und eine Bruce-Willis-Metzelt-Alle-Nieder-Szene im letzten Drittel ist leider sowohl unnötig als auch misslungen. Auch Gordon-Levitts Makeup, dass ihm Ähnlichkeit zu Willis verleihen soll, hätte man besser weggelassen. Doch gerade weil der Film nicht perfekt ist, nicht so glattgebürstet wie die meisten Hollywood-Produktionen, weil er moralische fragwürdige Szenen beinhaltet an denen man sich reiben kann und Stolpersteine, die einen zum Nachdenken anregen, ist er deutlich interessanter als die meisten Filme, die in diesem Jahr in die Multiplexe gekommen sind. Auch die Regie, die mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven aufwartet und Schnittgewitter vermeidet, ein schön schmutziges Set-Design, eine passende Filmmusik und die hervorragenden Schauspieler sind gute Argumente, Looper eine Chance zu geben. Denn frische Ideen sind es, was das Kino braucht, und Regisseur Rian Johnson hat hoffentlich noch mehr davon!

Looper ist ein Muss für jeden Fan von Zeitreise-Filmen. Gut dosierte Action, mehrschichtige Charaktere, eine kreative Regie und gute Schauspieler sind nur einige Argumente dafür, über die vorhandenen Schwächen hinwegzusehen und sich darüber zu freuen, dass es immer noch Filmemacher gibt, die dem Science-Fiction-Genre neue Facetten abgewinnen können.


Urheber der beiden Fotos ist Gage Skidmore. Die Bilder stehen beide unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Filmkritik: Ring (2002)

Gore Verbinski gehört mit seinen Fluch der Karibik-Filmen inzwischen zu den zehn erfolgreichsten Regisseuren Hollywoods. Doch bereits ein Jahr bevor er Johnny Depp erstmals ins Piraten-Outfit steckte, machte der aus Tennessee stammende Filmemacher von sich reden: Sein Japan-Horror-Remake Ring (OT: The Ring) spielte weltweit 250 Millionen Dollar ein und feiert heute seinen zehnten Geburtstag.

US-Amerikanische Remakes von Filmen aus anderen Ländern sind unter Filmfans nicht gerade beliebt. Bei vielen Cineasten stößt es auf Unverständnis, warum in den USA Filme nicht auch in einer synchronisierten oder untertitelten Fassung vermarktet werden sondern stattdessen die Geschichte in einer „amerikanisierten“ Form neu erzählt wird. Jedoch können viele Gründe für ein Remake sprechen: Gerade bei asiatischen Produktionen sind die kulturellen Unterschiede zu den europäischen und nordamerikanischen Ländern in den Filmen deutlich spürbar, weshalb diese dort nur selten ein größeres Publikum anziehen.

Regisseur Gore Verbinski
Auch der japanische Horrorfilm Ringu von 1998, in dem jeder zu Tode kommt, der ein mysteriöses Videoband ansieht, schaffte es weder in den USA noch in den meisten europäischen Ländern in die Kinos und auch der Heimkinomarkt nahm sich des Filmes nicht an. Dass DreamWorks sich dazu entschied, ein Remake zu produzieren, lässt sich daher auch für das Original als Glücksfall bezeichnen: Erst nach der erfolgreichen Veröffentlichung von The Ring im Jahre 2002 wurde auch Ringu international bekannter und ist in Deutschland inzwischen unter dem Titel Ring – Das Original auf DVD erschienen. Es wäre traurig, wenn dies das einzige Positive wäre, das sich über das Remake sagen lässt, doch im Gegenteil: The Ring ist technisch und schauspielerisch besser als das Original, verschafft der Geschichte eine stärkere weibliche Hauptfigur und verzichtet auf die irritierenden hellseherischen Fähigkeiten der Protagonisten. Im Folgenden soll jedoch kein detaillierter Vergleich der beiden Fassungen vorgenommen werden, sondern Gore Verbinskis Remake als eigenständiges Werk betrachtet werden.

Naomi Watts
The Ring wirft den Zuschauer ohne einen Vorspann unmittelbar ins Geschehen. Zwei Teenager unterhalten sich über ein Video, dessen Betrachter angeblich nach sieben Tagen sterben soll. Was erst Grundlage einiger Witzeleien ist, wird schnell zu bitterem Ernst, als eines der beiden Mädchen zugibt, das Video gesehen zu haben und kurz darauf einen mysteriösen Tod erleidet. Ihre Tante, die Journalistin Rachel (gewohnt überzeugend gespielt von Naomi Watts), versucht daraufhin herauszufinden, was es mit dem seltsamen Band auf sich hat. Schnell wird klar, dass übernatürliche Dinge im Spiel sind und dass in den auf der VHS gezeigten surrealen Szenen Hinweise auf dessen Herkunft zu finden sind. Doch die Zeit ist knapp, denn nachdem Rachel das Video gesehen hat, bleiben auch ihr nur sieben Tage um das Rätsel zu lösen. Doch nicht nur ihr Leben steht auf dem Spiel: Auch ihr Ex-Mann Noah und der gemeinsame Sohn Aidan haben das Tape gesehen...

Von Anfang an fällt die hohe visuelle Qualität von The Ring auf, die Gore Verbinski zusammen mit Kameramann Bojan Bazelli (Mr. & Mrs. Smith) hier abliefert. Sinnvoll eingesetzte Tiefenschärfe, eine ruhige aber dynamische Kameraführung und die stimmungsvolle Farbgebung tragen stark zur Atmosphäre des Filmes bei. Vor allem einige Zeitrafferaufnahmen und das Video selbst, das fast dadaistische Züge annimmt, zeugen von der Kreativität des Regisseurs, der hier offensichtlich nicht nur irgendeinen durchschnittlichen Horrorstreifen abliefern will. Die Spannung wird auf klassische Weise vor allem dadurch erzeugt, wenig zu zeigen und den Zuschauer oft im Ungewissen darüber zu lassen, was passiert, ganz im Gegensatz zu anderen modernen Vertretern des Genres, die durch extreme Gewaltdarstellungen zu schocken versuchen. Untermalt wird das ganze von dem erfrischend zurückhaltenden Score von Hans Zimmer, der subtil die Spannung befeuert, anstatt mit ohrwurmträchtigen Melodien zu protzen. Nur der Drang einen finalen Twist abzuliefern führt zu einigen Logiklücken und wertet den Film am Ende leider doch noch etwas ab.

Insgesamt macht The Ring aber einfach Spaß. Die beeindruckenden Bilder, der stimmungsvolle Score und die durchgehend hohe Spannung sorgen für einen durchweg unterhaltsamen Kinoabend. Doch während das Abspanns tauchen dann doch zu viel Fragezeichen im Kopf des Zuschauers auf, als dass man von einem Horror-Meisterwerk sprechen könnte.

Urheber des Fotos von Gore Verbinski ist alotofmillion und es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). Urheber des Fotos von Naomi Watts ist Joella Marano und es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-SA 2.0).

Dienstag, 18. September 2012

Filmkritik: Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2009)

Am Donnerstag kommt Michael Hanekes neuer Film Liebe in die deutsche Kinos, für den der österreichische Regisseur nun schon zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet wurde. Erstmals gelang ihm dies 2009 mit dem Drama Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte, in dem nicht das Thema Liebe, sondern die Gewalt im Mittelpunkt steht.

Kurz vor dem ersten Weltkrieg: Als sich in einem norddeutschen Dorf seltsame Unfälle und Gewalttaten häufen, versucht der namenlose Dorflehrer herauszufinden, wer dahinter steckt.

Regisseur Michael Haneke
Dies klingt auf den ersten Blick wie die Zusammenfassung eines Krimis oder Thrillers, doch da Das weiße Band eher als ein Historiendrama zu bezeichnen ist, steht die Aufklärung der Verbrechen hier eher im Hintergrund. Stattdessen nutzt Haneke dieses Grundgerüst, um eine Dorfgemeinschaft am Beginn des 20. Jahrhunderts zu beschreiben,  die von psychischer und physischer Gewalt der Männer gegenüber Kindern und Frauen geprägt ist. Die daraus leicht ableitbare Interpretation, dass die strenge protestantische Erziehung dieser Zeit, die Unterwerfung mit Gewalt erzeugt, ein auslösender Faktor dafür sei, dass die Kinder dieser Jahre später den Nationalsozialismus prägen sollten, ist natürlich durchaus kontrovers und wurde nicht von allen Kritikern positiv aufgenommen. Doch auf diese Message reduzieren lässt sich Das weiße Band keinesfalls.

So spielt z.B. die Religion eine wichtige Rolle in Hanekes Film. Sie ist nicht nur Hintergrund für die vielen im Film gezeigten Grausamkeiten der Väter (z.B. Fesseln um Masturbation zu verhindern, abwertende Behandlung von Frauen), sondern wird auch an anderen Stellen thematisiert: Nach der Misshandlung eines Jungen mit Down-Syndrom wird am Tatort ein Zettel gefunden, der die Tat mit einer Bibelstelle begründet: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied.“ Auch, dass ein Junge selber den Gürtel holen muss, mit dem er verprügelt werden soll, kann religiös gelesen werden; als Parallele zu Jesus, der sein eigenes Kreuz tragen musste.
Auch abseits der Religion sind interessante Symboliken zu entdecken, so erinnert die Parallelmontage des Erntedankfests mit einer gleichzeitig stattfindenden Zerstörung eines Kohlkopffeldes mit einer Sichel an das seit dem 14. Jahrhundert bekannte Motiv des Totentanzes.

Durch die vielen inhaltlichen Leerstellen (Wer hat die Verbrechen begangen? Wer wusste davon und hat sie vertuscht? Warum versteckt sich der junge Sohn des Arztes, wenn dieser nach Hause kommt?) lädt der Film neben solch symbolischen Überlegungen auch zu inhaltlichen Spekulationen ein. Der Zuschauer ist gefordert, seine eigenen Antworten auf diese Fragen zu finden und bekommt nur so viel erklärt, wie unbedingt notwendig ist.

Kameramann Christian Berger
Auf der technischen Seite ist, neben den grandiosen schauspielerischen Leistungen, vor allem von den Kindern, auch die Kameraarbeit von Christian Berger deutlich hervorzuheben. Besonders, wenn der Tod das Hauptthema einer Szene ist, dominieren faszinierende statische Einstellungen, die durch das kontrastreiche Schwarz-Weiß beinahe wie Gemälde wirken. An anderen Stellen ist die Kamera wiederum überraschend mobil, wie z.B. beim Tanz am Erntedankfest, wodurch einer stilistischen Eintönigkeit vorgebeugt wird.
Der Verzicht auf Farbe ist dabei nicht nur, wie mancher Zuschauer, der Autorenfilmen eher kritisch gegenüber steht, meinen könnte, eine Holzhammermethode, um dem Zuschauer klar zu machen, dass er hier einen Kunstfilm sieht. Stattdessen erfüllt dieses Stilmittel einige wichtige Funktionen: Da sich der Farbfilm zur der Zeit, in der die Geschichte spielt, noch noch nicht durchgesetzt hatte, erhalten Hanekes Bilder eine dokumentarische Wirkung; manche Einstellungen könnten tatsächlich fotografische Abbildungen aus dieser Zeit sein. Wie das Wort „farbenfroh“ schon andeutet, haben Farben außerdem eine positive Wirkung auf den Zuschauer, weshalb der Verzicht auf diese die unangenehme Dorftristesse nochmals betont. Auch der Kampf gegen die Individualität, den die Vaterfiguren dieses Dorfes führen, wird repräsentiert, da die Protagonisten sich nicht durch bestimmte Farben an ihrer Kleidung voneinander abheben können. Letztlich wird auch das Thema von „Gut und Böse“, dass in Das weiße Band eine wichtige Rolle spielt, durch den Kontrast von Schwarz und Weiß repräsentiert.

Den einzigen Kritikpunkt, der meiner Meinung nach dem Film vorgehalten werden kann, ist sein Erzähltempo. Vor allem im letzten Drittel hätte ein etwas schnelleres Vorrangehen in der Erzählung für die Spannung förderlich sein können, so stellt sich hier dann leider doch eine gewisse Langatmigkeit ein.

Auch wenn Hanekes Film daher nicht ganz perfekt ist, ist dem österreichischen Regisseur insgesamt jedoch ein beeindruckendes Werk über strukturelle Gewalt gelungen, dass sich auf vielen Ebenen lesen lässt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.



Urheber der Fotos sind Georges Biard (Michael Haneke) und Manfred Werner (Christian Berger). Beide Bilder stehen unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

Sonntag, 9. September 2012

Filmkritik: Harold und Maude (1971)

Hal Ashby brachte 1971 eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in die Kinos: In Harold und Maude verliebt sich ein Teenager in eine Rentnerin. Doch Kitsch muss man hier keinen befürchten, denn dieser Klassiker glänzt vor allem durch seinen skurrilen Humor.

Der 18-jährige Harold kommt aus reichem Hause, ist sehr introvertiert und fasziniert vom Tod. Er begeht regelmäßig Selbstmord, ohne daran zu sterben, fährt einen Leichenwagen und besucht Beerdigungen von Menschen, die er nicht kannte. Seine alleinerziehende Mutter möchte ihren Sohn aus seiner Zurückgezogenheit holen, will, dass er ein respektabler junger Mann wird. Sie kauft ihm einen Sportwagen (der von Harold gleich wieder zu einem Leichenwagen umgebaut wird), schickt ihn zu einem Psychiater und schaltet eine Kontaktanzeige, deren Fragen sie dann aber lieber gleich selber beantwortet. Wie zu erwarten wecken die Schauspielerinnen, Buchhalterinnen und anderen jungen Frauen, die aufgrund der Anzeige immer wieder in das abgelegene Haus kommen, keineswegs Harolds Interesse.
Ganz im Gegensatz zu der Rentnerin Maude, die Harold kennen lernt, nachdem sich beide mehrfach bei Beerdigungen über den Weg gelaufen sind. Die beinahe 80-Jährige ist das anarchistische Gegenstück zu Harolds spießiger Mutter: Sie sammelt Gerüche, klaut Autos und gräbt am Straßenrand Bäume aus, um sie in den Wald zurückzubringen. Harold und Maude treffen sich immer regelmäßiger und beginnen bald, sich ineinander zu verlieben...

Eines kann vorweggenommen werden: Weder eine kitschige Romanze, noch eine (vermutlich sogar heute noch) skandalöse Sex-Szene ist in diesem Film zu finden, denn Harold und Maude ist vor allem eines: Eine groteske Komödie. Die an Pipi Langtrumpf erinnernde anarchistische Verspieltheit Maudes findet sich nämlich auch in der Regie von Hal Ashby wieder: Harolds teilweise spektakulären Selbstmorde, die weder nur Versuche sind, noch inszeniert zu sein scheinen, bleiben immer folgenlos; in einer Gesangsnummer spielt das Klavier auch dann weiter, wenn keiner daran sitzt; Gespräche werden über Ortswechsel hinweg nahtlos weitergeführt und manche Momente sind so skurril, dass sie aus Monty Python's Flying Circus hätten stammen können: So versucht in einer Szene Harolds Onkel Victor, der eine Armprothese trägt, die mit einem Faden zum Salutieren gebracht werden kann, seinen Neffen zu überzeugen, zum Militär zu gehen. Harold ist erst skeptisch, steigert sich dann jedoch in überzogene Gewaltphantasien hinein, die Victor abzuwiegeln versucht. Dann taucht plötzlich Maude auf und mimt eine Friedensaktivistin, die von Harold daraufhin als Kommunistin beschimpft und davongejagt wird.

An dieser und ähnlichen Szenen wird deutlich, dass Harold und Maude auch ein Hippie-Film ist, bei dem das Establishment ordentlich auf's Korn genommen wird: Ob Militär, Polizei, Kirche oder die Psychoanalyse, alle bekommen ihr Fett weg. Besonders bemerkenswert ist hierbei, dass es in diesem Film nicht die junge Generation ist, die der älteren ihre überkommenen Werte austreiben will, sondern genau umgekehrt. Das Sahnehäubchen fürs Hippie-Feeling ist der schöne Soundtrack mit Liedern von Cat Stevens, von denen zwei sogar extra für den Film komponiert wurden. 

Insgesamt ist Harold und Maude ein wunderbar frecher, satirischer Film, der auch heute noch kein bisschen angestaubt wirkt. Und auch wenn es zum Ende hin doch noch ein bisschen tragischer wird, ist die Aussage klar: Spaß zu haben und für eine bessere Welt zu kämpfen sind zwei Seiten der selben Medaille.

Freitag, 7. September 2012

Media Monday #62

Das Medienjournal-Blog veröffentlicht jeden Montag einen Lückentext mit Fragen zu Filmen und anderen Medien, der dann von anderen Bloggern beantwortet wird. Die Fragen aus dieser Woche haben es mir besonders angetan, deshalb heute statt einer Filmkritik meine Antworten.

Meine Antworten sind fett gedruckt:

1. Javier Bardem gefiel mir am besten in Das Meer in mir, weil einem der von ihm verkörperte gelähmte Protagonist sofort ans Herz wächst..

2. Jim Sheridan hat mit ________ seine beste Regiearbeit abgelegt, weil ________ . Leider habe ich bisher keinen von Sheridans Filmen gesehen, werde dies aber mit Sicherheit noch nachholen.

3. Pamela Anderson gefiel mir am besten in Baywatch, aus rein nostalgischen Gründen. Grundsätzlich gefällt mir Pamela Anderson aber überhaupt nicht.

4. Ein Filmabend mit Freunden steht an. Zu welcher Art Film tendiert ihr? Ein brutale Schocker, eine leichte Komödie oder etwas gänzlich anderes? Das kommt natürlich darauf an, mit welchen Freunden. Filmabende mit mehreren Leuten laufen meistens auf eher unkontroverse Filme hinaus, das können dann sowohl Komödien als auch Thriller oder Dramen sein. Mit einem guten Freund von mir schaue ich wiederum fast ausschließlich Horror-Filme.

5. Im Fall von The Dark Knight und diversen Batman-Comics gefiel mir der Film deutlich besser als die Buchvorlage, denn die teilweise recht philosophischen Fragestellungen, die Christopher Nolan in seinem Film aufwirft, in den Comics eher seltener zu finden sind. Bei Romanen gefallen mir die Bücher jedoch meist deutlich besser, weil sie eine bessere Innensicht auf die Charaktere liefern können und dadurch oft interessanter sind.

6. Die schlechteste Horrorfilm-Reihe, von der ich trotzdem mehrere Teile gesehen habe ist für mich Scream. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich an die Filme gar nicht mehr so detailliert erinnern, ist schon länger her, aber alle anderen Horrorfilm-Reihen die ich kenne gefallen mir zu gut um sie hier zu erwähnen..

7. Mein zuletzt gesehener Film ist Harold und Maude und der war toll, weil er mich mit seinem anarchistischen Humor und skurrilen Regie-Einfällen ausgezeichnet unterhalten hat. Eine Filmkritik folgt.

Den leeren Fragebogen und die Antworten vieler anderer Blogger findet ihr im Medien-Journal-Blog.

Donnerstag, 6. September 2012

Filmkritik: Der Tod in Venedig (1971)

Vor 100 Jahren veröffentlichte der deutsche Autor Thomas Mann seine Novelle „Der Tod in Venedig“. Luchino Visconti versuchte sich 1971 an einer Verfilmung des Werkes, mit der ich mich heute beschäftigen möchte.

Dieses Review erzählt das Ende des Films, aber das tut bereits der Titel, daher kann man nicht wirklich von einem Spoiler sprechen.

„Der Tod in Venedig“ gehört zu den bekanntesten Werken Thomas Manns. Das Buch handelt von Gustav von Aschenbach, einem sehr erfolgreichen deutschen Autor, der in München lebt. Aschenbach ist ein ausgesprochen fleißiger, sehr auf die Form seiner Werke bedachter Künstler, dessen Arbeit sein ganzes Leben einnimmt und der daher zurückgezogen lebt. Als er am Münchener Nordfriedhof einen seltsamen Fremden in Wanderkleidung erblickt, der so schnell wieder verschwindet wie er aufgetaucht ist, ergreift Aschenbach die Reiselust, die ihn letztendlich nach Venedig führt. Im Hotel begegnet Aschenbach dem jugendlichen Polen Tadzio, dessen Schönheit ihn von Anfang an fasziniert. Da Aschenbach das Wetter nicht verträgt, will er einige Tage später wieder abreisen. Doch als dies durch eine falsche Gepäckaufgabe verhindert wird, ist er insgeheim froh, noch ein wenig mehr Zeit in der Nähe des Jünglings verbringen zu dürfen. Der Autor steigert sich immer tiefer in seine Gefühle hinein, spricht den Jungen jedoch niemals an. Auch die Stadt hat ein dunkles Geheimnis: Eine Cholera-Epidemie breitet sich aus und wird, um dem Tourismus nicht zu schaden, verheimlicht. Aschenbach erfährt davon, behält das Geheimnis aber für sich, da die polnische Familie sonst sicherlich abreisen würde. Aschenbachs Wahnsinn findet seinen Höhepunkt, als er beginnt, dem Jungen auf Schritt und Tritt zu folgen. Sein ganzes Leben kreist nur noch um Tadzio und so bemerkt er auch nicht, wie sich sein Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert, bis er schließlich am Strand in einem Stuhl tot zusammensackt.
Neben der grundlegenden Handlung ist Thomas Manns Buch vor allem durch das hohe Niveau der Sprache, Aschenbachs Reflektionen seiner Gefühle, die prominente Todessymbolik und Motive aus der griechischen Mythologie interessant. Dies in einer Verfilmung umzusetzen ist natürlich ausgesprochen schwierig.Visconti hat sich für eine eher nüchterne Nacherzählung der Geschichte entschieden.

Inspiration: Gustav Mahler
An der grundlegenden Handlung wurde für den Film wenig geändert, dennoch gibt es einige Abweichungen: Thomas Mann ließ sich in der Beschreibung seiner Hauptfigur von dem österreichischen Komponisten Gustav Mahler inspirieren. Visconti spitzt dies zu, indem er Aschenbach von einem Autoren zu einem Komponisten macht und auch sein Aussehen deutlich an Mahler anlehnt. Selbst die Filmmusik besteht vollständig aus Mahlers Werken.
Aschenbachs Hintergrundgeschichte wird in Rückblenden erzählt und beschreibt einen Mann, der beruflich wenig erfolgreich ist und familiäre Schicksalsschläge erlitten hat. Der Protagonist trifft also schon psychisch angeschlagen in Venedig ein, wodurch seine Fallhöhe deutlich geringer ist als in Manns Novelle. Hierdurch werden auch die folgenden Ereignisse als reine Symptome relativiert, während es bei Thomas Mann keine Anzeichen dafür gibt, dass mit Aschenbach vor seinen Erlebnissen in Venedig irgend etwas nicht stimmte.
Ein interessantes erzählerisches Mittel ist, dass Visconti Aschenbachs Wahn mit Rückblenden von kunsttheoretischen Diskussionen kontrastiert, die Aschenbach mit seinem Kollegen Alfred führt. Die Dialoge sind hierbei aus Thomas Manns Roman Doktor Faustus entnommen.

Visconti hat sich leider dagegen entschieden, zu versuchen, bei Aschenbachs Erlebnissen in Venedig die Innensicht auf die Hauptfigur durch Voice-Over oder ähnliche Mittel zu ermöglichen. Aschenbachs Gefühle und Gedanken werden daher vor allem durch die Mimik des ausgezeichneten Hauptdarstellers Dirk Bogarde transportiert. Der eher nüchterne, fast triste Stil steht in deutlichem Gegensatz zum poetischen Schreibstil Thomas Manns. Selbst surreale, traumhafte und mystische Buchpassagen werden im Film mit einer beinahe dokumentarischen Bildsprache wiedergegeben. Weder die Todessymbolik, noch die Anspielungen auf die griechische Mythologie werden von Visconti übernommen, wodurch die Bedeutung einiger Szenen ohne Kenntnis der Vorlage nicht erkennbar ist. Statt den zunehmenden Realitätsverlust des alternden Künstlers selbst mitzuerleben, kann der Rezipient diesen also lediglich von außen beobachten.

Durch Viscontis realistische Erzählweise bleibt daher leider fast nur die grundlegende Handlung von Thomas Manns Novelle übrig, die außerdem in einem eher gemächlichen Erzähltempo nacherzählt wird. Dies ist freilich immer noch recht interessant und die hervorragenden schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller reißen einiges raus. Eine gelungene Verfilmung von Thomas Manns Novelle ist Viscontis Interpretation aber meiner Meinung nach nicht.

Freitag, 17. August 2012

Werkschau: Die Filme von Christopher Nolan

The Dark Knight Rises, der nun schon seit drei Wochen in den deutschen Kinos läuft, war erwartungsgemäß ein voller Erfolg. Inzwischen gehört Regisseur Christopher Nolan in den USA mit Einspielergebnissen von insgesamt über 1,5 Milliarden Dollar zu den zehn finanziell erfolgreichsten Regisseuren aller Zeiten – dabei hat der 42-Jährige bisher gerade mal acht Spielfilme veröffentlicht. Zeit, sich einmal das Gesamtwerk des in London geborenen Filmemachers anzuschauen.


Christopher Nolan
(sbclick, CC-BY-2.0)
Following (1998)
Nach einigen Kurzfilmen produzierte Nolan seinen ersten abendfüllenden Spielfilm noch mit einem bescheidenen Budget von 6.000 $ und mit der Hilfe von Freunden und Familie. In Following verfolgt der erfolglose Schriftsteller Bill fremde Leute, um Inspiration für seine Arbeit zu bekommen. Eines Tages wird er dabei jedoch von dem zwielichtigen Einbrecher Cobb erwischt. Die beiden freunden sich an und Bill willigt ein, ein paar Einbrüche mit Cobb zu machen. Doch dann lernt er eine mysteriöse Blonde kennen, die ihn warnt, Cobb nicht zu vertrauen...
Wie auch Christopher Nolans spätere Werke ist Following extrem spannend und die niedrigen Produktionskosten wirken sich in keinem Moment negativ aus. Die nicht-chronologische Erzählweise dieses am Film Noir orientierten Thrillers ist, im Gegensatz zum späteren Memento, jedoch nicht durch die Handlung motiviert und wirkt daher wie ein recht willkürlicher Kniff, um die doch ziemlich konventionelle Story etwas aufzupeppen. Auch die Auflösung ist ein wenig konstruiert. Für ein Debüt jedoch beeindruckend und durchaus sehenswert.

Memento (2001)
In Christopher Nolans erstem von einem größeren Studio vertriebenen Film spielt Guy Pierce einen Mann, der den Mord an seiner Frau rächen will. Da er aber an einer speziellen Form der Amnesie leidet, ist er nicht in der Lage, neue Erinnerungen zu speichern und muss daher alle Informationen, die er hat, aufschreiben und die wichtigsten auf seinen Körper tätowieren. Doch woher weiß man, wem man trauen kann, wenn man alle, die sich als Freunde ausgeben, immer wieder zum ersten Mal trifft?
Nolan bedient sich in diesem Film eines außergewöhnlichen Stilmittels: Der Film springt zwischen zwei Handlungssträngen hin und her. Während der erste (in schwarz/weiß gedrehte) chronologisch erzählt wird, ist der zweite (farbige) in einer umgekehrt chronologischen Reihenfolge montiert. Hierdurch teilt der Zuschauer mit dem Protagonisten die Erfahrung, immer wieder in Szenen "aufzuwachen" ohne zu wissen, was kurz vorher passiert ist. Am Ende treffen sich die beiden Handlungsstränge in einer verstörenden Auflösung. Durch diese einmalige Seherfahrung und die gut durchdachte Story gehört Memento zu den besten Filmen, die Nolan bisher verwirklicht hat.

Insomnia – Schlaflos (2002)
In diesem Remake eines schwedischen Thrillers spielt Al Pacino einen Polizisten, der in Alaska einen Mordfall aufklären soll. Da gerade Mitternachtssonne herrscht, leidet der Ermittler jedoch an Schlaflosigkeit, die zu folgenschweren Fehlern führt...
Insomnia ist ein gut gemachter zwischen Melancholie und Spannung balancierender Thriller, der jedoch ein paar Längen aufweist und im Gegensatz zum restlichen Werk Nolans überraschend konventionell ist. Positiv herauszuheben sind allerdings die schauspielerischen Leistungen von Al Pacino und Robin Williams.

Batman Begins (2005)
Mit dem ersten Film von Nolans "Dark Knight"-Trilogie beweist der Regisseur, dass man eine Comic-Verfilmung auch durchaus ernst nehmen kann. Die Geschichte, die sich vor allem darauf konzentriert, wie Bruce Wayne zu Batman wurde, fesselt und fasziniert, lediglich an einigen Stellen reiben sich ein wenig die teils skurrilen Charaktere (z.B. Scarecrow, ein Bösewicht mit Kartoffelsack-Maske) und der Ernst der Umsetzung. Dies ändert aber nicht, dass Batman Begins durch Geradlinigkeit und heroischem Pathos zu den besten Comic-Verfilmungen der Filmgeschichte gehört.

Prestige – Die Meister der Magie (2006)
Ende des 19. Jahrhunderts in London: Zwei befreundete Zauberer zerstreiten sich und versuchen sich in Folge mit ihren Tricks zu übertrumpfen. Dafür schrecken beide Männer nicht vor den grausamsten Methoden zurück...
Ein gelungener Historienfilm mit Science-Fiction-Elementen über zwei Männer, die die Möglichkeit eines normalen Lebens ihrer Leidenschaft opfern, das Publikum zu verzaubern. Eine Geschichte, die natürlich auch als Metapher auf die Arbeit des Regisseurs lesbar ist. Und Nolan schafft es tatsächlich zu verzaubern mit diesem bis in die Nebenrollen perfekt besetzten Film.

The Dark Knight (2008)
Der zweite Teil der Batman-Saga ist der bisher erfolgreichste Film Nolans mit Einnahmen von über 500 Millionen Dollar alleine in den Vereinigten Staaten. Batman bekommt es mit dem Joker zu tun, einem unberechenbaren Bösewicht, der es nicht auf das große Geld abgesehen hat, sondern darauf, Gotham City ins Chaos zu stürzen. Batman beginnt seine eigenen moralischen Regeln zu verletzen, als der Joker den Konflikt auf eine persönliche Ebene hebt...
The Dark Knight fesselt vor allem durch die Unberechenbarkeit des Jokers, der, grandios gespielt von Heath Ledger, Batman beinahe die Show stiehlt. Durch beeindruckende Actionszenen und eine hochgradige Spannung fesselt der zweite Teil zwar noch deutlich mehr als sein Vorgänger, lässt allerdings ein wenig die ruhigeren Momente vermissen. Auch wenn The Dark Knight für viele Nolans Meisterwerk ist, macht er den ersten Teil daher keinesfalls überflüssig.

Inception (2010)
Ein Geschäftsmann wird überwältigt und zusammen mit einem Team aus sechs Leuten an eine Maschine angeschlossen, die gemeinsames Träumen ermöglicht. Auf vier parallel ablaufenden Traumebenen, die sich gegenseitig beeinflussen, wird nun versucht, diesem eine Idee in sein Gedächtnis einzupflanzen: Dass er das von seinem Vater geerbte Unternehmen auflösen muss.
Hochgradige Spannung, bahnbrechende Actionszenen und eine komplexe Story machen Inception vor allem im Kino zu einem einmaligen Erlebnis. Doch bei genauerem Hinsehen ist die Geschichte über das Eintauchen in immer tiefere Traumebenen erstaunlich mehrdimensional: So lässt sie sich sowohl als eine moderne Abwandlung des antiken Motivs der Reise in die Unterwelt sehen als auch als einen an die Psychologie C. G. Jungs angelehnte Geschichte über die Notwendigkeit, sich seinem Unbewussten zu stellen. Durch die vielen Interpretationsmöglichkeiten und die philosophischen Themen ist Inception meiner Meinung nach der bisher beste von Nolans Action-Filmen. 

The Dark Knight Rises (2012) 
Auch in Nolans bisher letztem Film gibt es Action am laufenden Band: Batman ist eigentlich im Ruhestand, doch als der furchteinflößende Bane auftaucht, um Gotham City dem Erdboden gleich zu machen, schlüpft Bruce Wayne ein letztes Mal in seinen Anzug. Wie bereits in meiner Kritik erläutert ein eher enttäuschender Abschluss der Batman-Reihe, der zwar durchaus unterhält und auch einige sehr starke Szenen zu bieten hat, aber im Endeffekt an seinem für Nolans Verhältnisse unterdurchschnittlichem Drehbuch krankt.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Christopher Nolans Filme, ob mit oder ohne Action, immer eine fesselnde Angelegenheit sind und sich durch kreative Einfälle und intelligente Geschichten deutlich von anderen Thrillern und Action-Filmen der letzten Jahrzehnte abheben. Auch wenn Nolan damit noch nicht in der selben Liga spielt wie z.B. Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick, so gehört er doch zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Ich persönlich hoffe, dass sich Nolan nach drei Action-Krachern in Folge als nächstes wieder eine etwas ruhigere Geschichte à la Memento oder Prestige widmen wird.

Montag, 13. August 2012

Filmkritik: Gladiator (2000)

Ridley Scotts Prometheus hat weltweit schon über 300 Millionen Dollar eingespielt. Doch der bisher größte Erfolg des Regisseurs spielte nicht in den Weiten des Alls sondern im antiken Rom: Gladiator belebte vor zwölf Jahren den Sandalenfilm wieder.
Aus interpretatorischen Gründen wird auch in dieser Kritik das Ende verraten.

Der Ausgangskonflikt von Gladiator hätte aus Shakespeares Feder stammen können: Der scheidende Kaiser Markus Aurelius möchte den römischen Feldherren Maximus als seinen Nachfolger bestimmen, da er ihn für tugendhafter hält als seinen eigenen Sohn Commodus. Als jener davon erfährt, tötet er kurzerhand seinen Vater, reißt die Macht an sich und lässt Maximus zur Exekution in den Wald bringen. Da dieser nicht die junge Unschuld eines Schneewittchen zum Einsatz bringen kann, um seine Henker vom Gegenteil zu überzeugen, bringt er diese kurzerhand um, kann jedoch nicht rechtzeitig zu Hause eintreffen, um die Ermordung seiner Familie zu verhindern. Als er in die Gladiatoren-Schule des Proximo verschleppt wird und dort immer erfolgreicher wird, bietet sich ihm in Rom die Chance, mit Hilfe von Commodus Schwester Lucilla den Sturz des unrechtmäßigen Herrschers herbeizuführen.

Wenn der Protagonist des Filmes am Anfang in der germanischen Kälte steht und sich vorstellt, durch die heimischen Kornfelder zu streifen, wird schnell klar, dass das hauptsächliche Ziel unseres Helden nicht Ruhm und Ehre ist, sondern bei seiner Familie zu sein. Ein geschickter Kniff, der der Hauptfigur nicht nur mehr Tiefe verleiht, sondern es schafft, den eigentlich tragischen Ausgang der Geschichte in ein Happy End zu verwandeln. Die Vorstellung, im Jenseits wieder mit der verstorbenen Familie vereint zu sein, wird in Gesprächen mit anderen Gladiatoren immer wieder thematisiert und so ist der Heldentot des Maximus und die Wiedervereinigung mit Sohn und Frau im Jenseits fast der größere Sieg, als die schlussendliche Ermordung des tyrannischen Herrschers.

Insgesamt ist Gladiator dennoch alles andere als perfekt. Wie der Shakespeare-Vergleich schon nahelegt, ist die Story nicht gerade besonders neu, sondern bedient sich ausgiebig klassischer Archetypen (die Mentoren Aurelius und Proximo, der Schatten Commodus und die Gestaltwandlerin Lucilla, bei der am Anfang unklar ist, auf wessen Seite sie steht) und dem Story-Schema der Reise des Helden (Protagonist muss sich in neuer Welt bewähren und eine steigende Anzahl an Prüfungen bewältigen, bis er am Ende dem größten Widersacher gegenüber steht). Während die Geschichte natürlich an die tatsächlichen historischen Ereignissen nur angelehnt ist (das hat Shakespeare ja nicht anders gemacht), ist es besonders fragwürdig, warum in Kostümdesign, Schlachten und der Darstellung Roms kein Versuch unternommen wurde, einigermaßen historisch korrekt zu sein. Dass sich bei einer Fantasy-Trilogie wie Der Herr der Ringe die Mühe gemacht wurde, selbst im kleinsten Detail den pseudohistorischen Beschreibungen der Geschichte Mittelerdes treu zu bleiben, während bei Gladiator im Design von Kostümen, Waffen und Architektur alle geschichtlichen Zeitalter einfach bunt durcheinandergewürfelt wurden, ist schon bezeichnend.

Dass Kostümdesigner Janty Yates dennoch einen Oscar bekommen hat, ist aber nachvollziehbar, denn schön anzusehen ist die Garderobe auf jeden Fall, was insgesamt auf den ganzen Film zutrifft. Wenn in gekonnt komponierten Bildern (bis auf die in ihrer geringen Bildwechselfrequenz störend stockenden Zeitlupen) in prachtvollen Kostümen durch das größtenteils computeranimierte Rom stolziert wird, ist das durchaus eine sehenswerte Angelegenheit und die ordentliche Dosis Pathos, die die Dialoge der gut aufgelegten Schauspieler versprühen, macht die ganze Geschichte doch recht unterhaltsam, wenn man sich darauf einlässt. Dass Komponist Hans Zimmer hier seine immer gleich klingenden Streicherthemen raushaut (ich dachte manchmal echt, gleich kommt Batman in die Arena) passt da eher schlecht in das Gesamtbild. Warum hier nicht jemand wie Howard Shore an den Taktstock gelassen wurde, ist schwer nachvollziehbar, aber auf der technischen Seite wirklich das einzige Manko.

Insgesamt ist Gladiator ein gelungener moderner Sandalenfilm, den man zwar nicht unbedingt gesehen werden muss, der sich aber neben Klassikern des Genres wie Ben Hur (der ja, wenn man ehrlich ist, auch nicht viel gehaltvoller war) keineswegs verstecken muss.

Sonntag, 12. August 2012

Filmkritik: The Dark Knight Rises (2012)

Christopher Nolans Interpretation der Comic-Fledermaus geht in die letzte Runde – und reiht sich ein in die lange Tradition enttäuschender dritter Teile.

Dieses Review enthält SPOILER, weil es sich vor allem an den zahlreichen Drehbuchschwächen des neuen Batman-Filmes abarbeitet.

Generell bin ich nicht unbedingt ein Fan von Superheldenfilmen. Meist sind mir die Stories und Charaktere zu flach, die mögliche Fallhöhe des Helden zu gering und der Einsatz von CGI zu vordergründig. Christopher Nolans Interpretationen der berühmtesten Fledermaus der Welt bilden hier eine Ausnahme: Durch den für eine Comic-Verfilmung relativ hohen Realismus, Ernst und natürlich auch Pathos heben sich Batman Begins und The Dark Knight sowohl von älteren Interpretationen des Helden als auch von den anderen Comic-Verfilmungen der letzten Jahre positiv ab. Während der erste Teil vor allem in der klassischen Entwicklung des Protagonisten zum Helden überzeugt ist es im zweiten vor allem der anarchistische Joker, der den Film am Laufen hält. Und außerdem hatten beide Filme einen recht logischen Aufbau, waren "rund" und hatten zwar einige Unglaubwürdigkeiten, aber keine größeren Logiklöcher.

Bei The Dark Knight Rises sieht das Ganze schon anders aus. Es beginnt schon damit, das Batman acht Jahre im Ruhestand war. Das heroische Ende vom zweiten Teil, dass Batman als dunkler Ritter die Stadt bewachen wird, während die Polizei ihn jagt, wird hiermit völlig ausgehebelt. Die Stadt brauchte keinen dunklen Ritter, denn die Verbrechensrate ist durch das neue Dent-Gesetz rapide gesunken (als wäre Batmans Hauptaufgabe je das organisierte Verbrechen gewesen) und so hängt Bruce Wayne nur noch humpelnd und seine Ex betrauernd in seinem Anwesen herum. Doch die Ankunft des Superbösewichts Bane (bei dem Tom Hardy zeigen darf, dass man auch nur mit den Augen schauspielern kann) ruft Batman wieder auf den Plan – doch auch die Meisterdiebin Catwoman (mit Witz gespielt von Anne Hathaway), die bis kurz vor Schluss nicht durchblicken lässt, auf wessen Seite sie steht, mischt mit. Zu allem Überfluss verlässt auch noch Butler Alfred Bruce Wayne, weil er ihm nicht beim Sterben zusehen möchte (eine der wenigen wirklich eindrucksvollen Szenen des Films). Ach ja und dann haben wir da noch ein Techtelmechtel mit Miranda Tate (Marion Cotillard) die eine völlig überflüssige Figur wäre, wenn Nolan nicht so scharf auf ein paar Twists am Ende wäre...

Doch dann beginnt die Logik der Handlung langsam zu bröckeln. Denn aus welchem Grund auch immer hat sich Bruce Wayne entschieden, einen als Atomwaffe einsetzbaren Fusionsreaktor zu bauen, auf den es Bane natürlich abgesehen hat. Batman begibt sich mit Catwoman in Banes Versteck um ihn zu stellen - doch Catwoman verrät ihn und Bane besiegt Batman in einem brutalen Nahkampf. Warum dieser sich nicht, wie sonst auch, auf Intelligenz und Gadgets statt auf pure Körperkraft verlässt, wird natürlich nicht wirklich klar, vor allem, dar er durch seine jahrelange Abstinenz alles andere als in guter körperlicher Verfassung ist.

Doch dieser Kampf soll natürlich noch nicht der Höhepunkt gewesen sein, denn es ist ja grad erst die Hälfte der zu langen Spielzeit rum und der Film heißt ja auch nicht "Knightfall und was danach geschah". Deshalb ist natürlich auch nicht, wie in der Comic-Vorlage, Batmans Rückgrat gebrochen sondern nur ein Wirbel ausgerenkt. In einem Gefängnis in der Wüste eingeschlossen, ist es nun für die nächsten 45 Minuten Batmans Aufgabe (der bis zu diesem Zeitpunkt in diesem Film übrigens noch nix gerissen hat), es zu schaffen, den einzigen Ausgang, einen Brunnen, hochzuklettern. Das ist weder besonders spannend, noch wird es besser durch den klischeehaften Mentor, der die ganze Zeit russisch spricht und am Ende doch Englisch kann (hatten wir das nicht schon in Batman Begins?).

Währenddessen stiehlt Bane den Reaktor, und schließt die Stadt durch Brückensprengungen und seine Bombendrohung von der Außenwelt ab (kreativ, die unpassierbaren Brücken hatten wir ja auch nur schon in Teil 1 und 2). Die Bombe explodiert von selbst in 5 Monaten oder mit einem Zeitzünder. Bane hat natürlich vor, die 5 Monate zu warten, was völlig out-of-character ist, weil er, wie wir erfahren, aus der Gesellschaft der Schatten stammt und deshalb doch eigentlich etwas zielgerichteter handeln sollte, anstatt ein bisschen Revolutionsstimmung zu verbreiten, von der er keinerlei Vorteile hat. Scarecrow darf dann noch auf einem albernen Haufen Schreibtische den Richter spielen und Leute dazu zu verurteilen, auf den nicht ganz zugefrorenen Fluss zu laufen.

Da alle (!) Polizisten der Stadt in der Kanalisation eingeschlossen werden, versuchen nur noch die Sidekicks Lucius Fox, Jim Gordon, Miranda Tate und John Blake gegen Bane und seine Armee anzukämpfen. Wer John Blake ist? Eigentlich noch eine überflüssige Nebenfigur, wenn Nolan nicht so auf Twists stehen würde. Apropos überflüssig: Irgendwie ist da auch noch der unsympathische Polizist Foley, der irgendwann geläutert ist und dann aber stirbt, aber wenigstens nicht auch noch zum Pinguin wird oder sowas.

Wo war ich? Ach ja, Batman schafft es nach 5 Monaten "überraschend" aus dem Gefängnis und erfährt, dass das Kind von Ra's al Ghul (ihr erinnert euch, derjenige von den beiden Bösewichten im ersten Teil, der keinen Kartoffelsack über dem Gesicht hatte) dort aufgewachsen sein soll (Batman folgert: Bane). Batman zeigt, dass er auf dem Eis laufen kann ohne einzubrechen (zugegeben, hat er im ersten Teil ja auch gelernt), befreit dann die Polizisten, die darauf das besetzte Rathaus stürmen. Naja, nicht wirklich stürmen, denn sie lassen Maschinengewehre, Schutzschilder. SWAT-Teams und jedes Gefühl von taktischem Vorgehen anscheinend in der Kanalisation zurück und laufen lieber mit Pistolen in der Hand schreiend auf den Feind zu (SPAARTAAA!). Und was macht Batman? Statt sich auf seine Intelligenz und Gadgets zu verlassen...

....richtig, begibt er sich wieder in den direkten Nahkampf mit Bane. Wir bekommen noch ein zweites Mal exakt den selben Höhepunkt geliefert. Und Batman hat, wie der Affe mit der Schlange, anscheinend nix daraus gelernt. Aber natürlich ist er jetzt nach seinem Training in der Wüste körperlich überlegen und haut Bane auch noch fast die Maske kaputt. Doch dann – vorsicht Twist – kommt Miranda Tate, alias Talia al Ghul, und steckt Batman ein Messer in die Seite: Sie ist die Tochter von Ra's al Ghul und hat zu Bane gehalten, als dieser aus der Gesellschaft der Schatten verbannt wurde. Doch bevor sich Batman noch einen zweiten Wirbel ausrenkt kommt Catwoman und ballert Bane kaputt, während Talia flieht und versucht die Bombe bis zu ihrer Explosion zu schützen.

Batman vergisst plötzlich, dass er ja ein Messer in der Seite hatte, verfolgt Talia und tötet sie mit seinem tollen neuen Bat-Flugzeug (sein Abweichen von seinen Grundsätzen, niemanden zu töten, wird leider nicht thematisiert) und hat dann noch 90 Sekunden, die Bombe in Sicherheit zu bringen. Also knutscht er erst mit Catwoman, quatscht noch kurz mit Gordon und hat dann trotzdem noch genug Zeit, die Bombe aufs offene Meer hinauszufliegen, wo die 5-Megatonnen-Explosion natürlich weder einen Tsunami noch nennenswerte Mengen an Strahlung auszulösen scheint.

Es folgt eine rührende Szene mit Alfred am Grab der Familie Wayne und John Blake beschließt, in Batmans Fußstapfen zu treten. Das wäre ja wenigstens ein ganz gutes Ende, wenn wir nicht vorher erfahren würden, dass John eigentlich Robin heißt. Da Robin ja immer nur ein Sidekick war, hätte man sich das wirklich auch sparen können. Aber zumindest durfte Batman im letzten Teil einen heroischen Tod sterben, er hat sich für Gotham geopfert, wie es wirkliche Helden tun! Nein, leider nicht, der hat übrigens doch überlebt und genießt jetzt seinen Ruhestand in der Toskana. Die rührende Szene am Grab wird so im Nachhinein natürlich auch ihrer emotionalen Wirkung beraubt.

Es hätte so einfach sein können. Einfach mal wieder etwas tiefer stapeln, einen logisch aber simpel aufgebauten, runden Batman-Film machen, so wie Batman Begins einer war, aber stattdessen darf man sich angucken, wie Nolan verbissen daran scheitert, The Dark Knight toppen zu wollen. Naja, unterhalten tun die knappen drei Stunden dennoch ganz ordentlich, die schauspielerischen Leistungen sind toll und The Dark Knight Rises ist auch technisch durchaus gut, wenn man die einfallslose Filmmusik einmal außen vor lässt. Hängen bleiben tut aber leider so gut wie nichts, es gibt keine wirklich beeindruckenden Action-Szenen, keine Gänsehaut-Momente und nichtmal ausreichend Pathos. Nur die Abschieds-Szene zwischen Alfred und Bruce, die hängt mir irgendwie noch nach, denn dass Christopher Nolan mich mal zu Tränen rührt, das hätte ich irgendwie nicht erwartet.



Samstag, 11. August 2012

Filmkritik: Prometheus - Dunkle Zeichen (2012)

Ridley Scott kehrt nach über 30 Jahren ins Alien-Universum zurück und beschäftigt sich in seinem bildgewaltigen Werk mit nichts geringerem als der Schöpfung der Menschheit.
Diese Kritik enthält SPOILER. Lesen auf eigene Gefahr!

Woher kommen wir? Wurden wir von einem Gott geschaffen? Sind wir einfach durch Evolution entstanden? Oder sind wir, wie Douglas Adams uns weismachen will, die Nachfahren von außerirdischen Unternehmensberatern, Telefondesinfizierern und Frisören? Auch Ridley Scotts neuester Ausflug in das Alien-Universum beschäftigt sich mit dieser Frage.

Das Archäologen-Pärchen Elizabeth Shaw und Charlie Holloway machen eine bahnbrechende Entdeckung: In Jahrtausende alten Zeugnissen unterschiedlichster Kulturen findet sich immer die selbe Abbildung einer Sternenkonstellation, die von der Erde aus unmöglich zu beobachten ist, aber tatsächlich existiert. Die beiden Wissenschaftler vermuten, dass sich dort die Schöpfer der Menschheit befindet könnten und machen sich mit einem Team auf den Weg zu einem Mond in diesem System, auf dem Leben existieren könnte. Tatsächlich finden sie Bauwerke einer fremden Zivilisation, doch es scheint niemand mehr am Leben zu sein...

In der Zukunft sind die Menschen selber zu Schöpfern geworden. Der an Bord befindliche Android David ist kaum von einem Menschen zu unterscheiden. Die Vorstellung, dass auch die Menschen von einer Außerirdischen Rasse erschaffen wurden, ist daher plötzlich gar nicht mehr so weit hergeholt. Doch warum wurden wir von ihnen erschaffen? Und welche Weisheiten können sie uns mitteilen? Einzelne Crewmitglieder erhoffen sich, in der Begegnung mit der fremden Zivilisation Antworten auf solche Fragen zu finden oder gar Unsterblichkeit zu erlangen, doch was ist, wenn die mysteriösen Aliens das alles nur gemacht haben, "weil sie es können"? Und was ist, wenn sie von unserem Besuch alles andere als begeistert sind?

Es stellt sich heraus, dass der fremde Mond viele Gefahren birgt, denn er ist eigentlich ein Hort biologischer Waffen, die zur Erde gesandt werden sollten, um die Menschheit wieder auszulöschen. Das Problem des Gottes mit zwei Gesichtern, der sowohl schöpfen als auch zerstören kann, dessen Werk sowohl Paradies als auch Apokalypse sind, wird bei Scott im übertragenen Sinne zum Thema. Doch Antworten kann der Zuschauer nicht erwarten denn auch wenn "Prometheus" kein echtes Prequel zur Alien-Filmreihe darstellt, ist das Prinzip im Endeffekt immer noch das selbe: Nach und nach werden die Crew-Mitglieder dezimiert bis nach einem bombastischen Finale nur noch 2 oder besser gesagt 1,5 Protagonisten übrig bleiben. Die Story von Prometheus ist also trotz seiner großen Themen im Endeffekt ziemlich flach und auch die Dialoge wirken häufig schrecklich gestelzt und konstruiert.

Doch das ist vermutlich nichts, das einen Fan von SciFi-Horror abschrecken kann und auf dieser Ebene funktioniert "Prometheus" einfach wunderbar. Vor allem optisch ist der Film ein Leckerbissen: Tolle Kameraarbeit, selbst mich als Skeptiker ziemlich überzeugende 3D-Effekte, makellose Special Effects und ein detailverliebtes Set-Design sind der reinste Augenschmaus. Manchmal wünschte man sich, die Kamera würde doch etwas länger auf manch grandioser Einstellung verweilen, doch seit 1979, dem Erscheinungsjahr des ersten Alien-Teils, ist der Trend der schnellen Schnitte leider auch an Altmeister Scott nicht vorbeigegangen. Durchgehende Spannung und gut dosierte Schock-Momente sorgen aber dennoch für gute Unterhaltung und die insgesamt doch etwas blasse Besetzung wird durch Michael Fassbender, der den besten Androiden der Filmgeschichte abliefert, deutlich aufgewertet.

Manche mögen sagen, dass Prometheus sich philosophischer gibt, als er tatsächlich ist, aber dennoch gibt er doch deutlich mehr Denkanstöße als die meisten Science-Fiction-Filme, die man in den letzten 10 Jahren sonst zu Gesicht bekommen hat. Und was viel wichtiger ist: Er macht einfach Spaß! Für alle, die diesem Genre nicht abgeneigt sind, ist Prometheus also Pflicht und er sollte unbedingt auf der großen Leinwand genossen werden.