Freitag, 19. Oktober 2012

Filmkritik: Looper (2012)

Nach 50/50 – Freunde fürs (Über)Leben und The Dark Knight Rises ist Joseph Gordon-Levitt nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr in den deutschen Kinos zu sehen. Im Zeitreise-Thriller Looper spielt der 31-Jährige einen Auftragskiller, der sein zukünftiges Ich töten muss.

Joseph Gordon-Levitt
In ungefähr 60 Jahren wird das Zeitreisen erfunden, doch aufgrund der großen Gefahren schnell verboten. Doch das hilft nicht viel, denn bald bekommt eine kriminelle Organisation eine Zeitmaschine in die Finger und nutzt sie, um unliebsame Personen loszuwerden: Diese werden gefesselt zurück in das Jahr 2044 geschickt, wo sogenannte Looper bereits mit Kanone im Anschlag darauf warten, das jeweilige Oper zu töten. In der Zukunft wird nie eine Leiche gefunden und in der Gegenwart wird niemand vermisst – das perfekte Verbrechen. Entlohnt werden die Looper mit an den Opfern befestigten Silberbarren, die sie im inzwischen deutlich verarmten Amerika auch bitter nötig haben und sei es nur, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren. Doch der Job hat einen Haken: Irgendwann wird auch das dreißig Jahre ältere Ich des Loopers in der Zeit zurückgeschickt und der Auftragskiller muss „sich selbst“ töten, was mit einer erheblichen Bonuszahlung vergütet wird. Der Loop ist geschlossen und der Looper ist, zumindest für die drei Jahrzehnte die ihm noch bleiben, ein wohlhabender Mann. Doch als Joe (Joseph Gordon-Levitt) seinem gealterten Spiegelbild (Bruce Willis) gegenübersteht, kann dieser fliehen und versucht, den Verlauf der Geschichte zu ändern...

Bruce Willis
Zeitreisefilme sind immer ein bisschen problematisch. So gut das Drehbuch auch geschrieben sein mag, im Endeffekt ist jede Geschichte, in der jemand seine eigene Gegenwart durch Manipulation der Vergangenheit verändern will, fürchterlich paradox. Und doch oder vielleicht gerade deswegen machen sie unheimlich Spaß. Looper macht dabei jedoch einiges anders als Vorgänger wie z.B. Terminator oder Zurück in die Zukunft. Die Idee, dass die junge und alte Version der selben Person unterschiedliche Interessen verfolgen und deshalb gegeneinander arbeiten ist grandios und wird gut ausgearbeitet. Die Zukunft, die bis auf die weiterentwickelte Unterhaltungselektronik so aussieht wie eine heruntergekommene Version unserer Gegenwart, ist wunderbar düster und erinnert ein wenig an Children of Men. Ähnlich wie in diesem geht es in Looper nicht darum, eine zweistündige Action-Achterbahnfahrt à la Christopher Nolan abzuliefern. Nach einem recht spektakulären Auftakt wird der Film unerwartet ruhig, was der Spannungskurve etwas schadet, dafür aber den Charakteren sehr zu Gute kommt. Dennoch passen die unterschiedlichen Teile von Looper teilweise in ihrer Stimmung nicht so ganz zusammen und eine Bruce-Willis-Metzelt-Alle-Nieder-Szene im letzten Drittel ist leider sowohl unnötig als auch misslungen. Auch Gordon-Levitts Makeup, dass ihm Ähnlichkeit zu Willis verleihen soll, hätte man besser weggelassen. Doch gerade weil der Film nicht perfekt ist, nicht so glattgebürstet wie die meisten Hollywood-Produktionen, weil er moralische fragwürdige Szenen beinhaltet an denen man sich reiben kann und Stolpersteine, die einen zum Nachdenken anregen, ist er deutlich interessanter als die meisten Filme, die in diesem Jahr in die Multiplexe gekommen sind. Auch die Regie, die mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven aufwartet und Schnittgewitter vermeidet, ein schön schmutziges Set-Design, eine passende Filmmusik und die hervorragenden Schauspieler sind gute Argumente, Looper eine Chance zu geben. Denn frische Ideen sind es, was das Kino braucht, und Regisseur Rian Johnson hat hoffentlich noch mehr davon!

Looper ist ein Muss für jeden Fan von Zeitreise-Filmen. Gut dosierte Action, mehrschichtige Charaktere, eine kreative Regie und gute Schauspieler sind nur einige Argumente dafür, über die vorhandenen Schwächen hinwegzusehen und sich darüber zu freuen, dass es immer noch Filmemacher gibt, die dem Science-Fiction-Genre neue Facetten abgewinnen können.


Urheber der beiden Fotos ist Gage Skidmore. Die Bilder stehen beide unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

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