Montag, 28. Januar 2013

Filmkritik: Die Asche meiner Mutter (1999)

„Schlimmer als die normale unglückliche Kindheit ist die unglückliche irische Kindheit, und noch schlimmer ist die unglückliche irische katholische Kindheit.“ Alan Parkers Verfilmung der Autobiografie von Frank McCourt ist vieles, aber mit Sicherheit kein Feel-Good-Movie.

Frank (Joe Breen) wird 1930 als Sohn mittelloser irischer Einwanderer in New York geboren. Er hat drei jüngere Brüder: Malachy (Shane Murray-Corcoran) und die Zwillinge Eugene (Ben O'Gorman) und Oliver (Sam O'Gorman). Nachdem Franks einzige Schwester wenige Tage nach der Geburt stirbt, beschließt die Familie, in die Heimat der Mutter Angela (Emily Watson) zu ziehen: Die Stadt Limerick im Südwesten Irlands. Doch auch hier lebt Familie McCourt in großer Armut, was zum baldigen Tod der beiden Zwillinge führt. Vater Malachy (Robert Carlyle) hat aufgrund seiner nordirischen Abstammung Schwierigkeiten, einen Job zu bekommen und als er schließlich doch eine Stelle ergattert, vertrinkt er sein Gehalt in der Kneipe. Als Frank älter wird (nun gespielt von Ciaran Owens), versucht er selbst durch die Auslieferung von Kohle Geld zu verdienen, doch eine schwere Bindehautentzündung zwingt ihn, den Nebenjob schnell wieder auszugeben. Aber Frank gibt nicht auf, denn er hat einen großen Traum, den er um alles in der Welt erreichen will: Genug Geld sparen, um zurück nach New York fahren zu können...

Regisseur Alan Parker
Die Autobiografie Angela's Ashes des Schriftstellers Frank McCourt erschien 1996 und wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Doch die Darstellung der ärmlichen Verhältnisse im Limerick der 30er Jahre stieß auch auf Kritik: So verspürte der dort aufgewachsene Schauspieler Richard Harris (u.a. bekannt als Schulleiter Dumbledore in den ersten beiden Harry-Potter-Filmen) viel Hass und Bitterkeit in McCourts Erinnerungen an seine Heimat, die er nicht nachvollziehen könne. Dennoch war das Buch recht erfolgreich und weckte somit das Interesse Hollywoods. Der zweifach Oscar-nominierte Alan Parker wurde als Regisseur verpflichtet und nach einigen Vorpremieren im Dezember 1999 kam Die Asche meiner Mutter schließlich am 14. Januar 2000 in die amerikanischen und britischen Kinos. Doch der Film erntete lediglich gemischte Kritiken und wurde schließlich zu einem großen Flop.

Dass es sich hierbei um keinen Blockbuster handeln würde, war natürlich schon vorher absehbar. Denn auch wenn Robert Carlyle durch seine Hauptrolle in der Komödie Ganz oder gar nicht schon einem größeren Publikum bekannt geworden war und Emily Watson sogar schon zweimal für den Oscar nominiert wurde, waren die Darsteller von Franks Eltern natürlich nicht die großen Stars, die ein Massenpublikum in die Kinos locken würden. Und auch die eher deprimierende Geschichte ist nicht gerade dafür geeignet, eine große Mundpropaganda in Gang zu setzen. Dabei handelt es sich bei Die Asche meiner Mutter keineswegs um einen schlechten Film. Besonders die darstellerischen Leistungen sind sehr beeindruckend und auch die Filmmusik von Urgestein John Williams ist durchaus passend, wenn auch ein wenig repetitiv. Aber der Film hat das typische Problem biografischer Spielfilme: Es gibt keine wirkliche Spannungskurve. Da sich die Handlung über mehrere Jahre erstreckt, ist die Struktur eher episodenhaft als auf einen bestimmten Höhepunkt hinarbeitend. Das ist für ein Buch leicht zu verkraften, da man dieses ja eher selten an einem Stück liest, aber bei Filmen kann dies schon etwas ermüdend werden. Dass man sich während Die Asche meiner Mutter dennoch nicht langweilt, liegt vor allem an den wie schon erwähnt hervorragenden Schauspielern. Besonders Joe Breen, Ciaran Owens und Michael Legge, die Frank in drei verschiedenen Altern darstellen, schaffen es gut, eine Identifikation mit der Hauptfigur zu ermöglichen.

Alan Parkers Leistung ist hingegen eher gemischt zu bewerten. Es ist ihm zwar gut gelungen, die eher triste Atmosphäre vor allem in der zweiten Hälfte durch kurz aufblitzenden Humor aufzubrechen, doch arbeitet er mit einer deutlich zu klischeehaften Bildsprache, um wirklich überzeugen zu können. Dass die Szenen in Limerick fast ausschließlich mit starkem Blaufilter und bei strömenden Regen aufgenommen wurden, führt nach einer Weile nämlich durchaus zu Stirnrunzeln: Denn auch in einer tristen Kindheit müsste es sonnige Tage gegeben haben.

Insgesamt zeichnet sich Die Asche meiner Mutter weder durch hochgradige Spannung noch durch eine besonders subtile Bildsprache aus. Doch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen und die grundsätzlich interessante Geschichte können dies zum Glück ausgleichen, weshalb es sich insgesamt dennoch um einen durchaus sehenswerten Film handelt.



Urheber des Fotos von Alan Parker ist Lisa Moran Parker. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Attribution-ShareAlike 1.0 Generic (CC BY-SA 1.0).

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