Mittwoch, 18. November 2015

Filmkritik: Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 (2014)

Morgen startet mit Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 der vierte Teil der Spielfilmadaption der dystopsichen Jugendbuchtrilogie in den deutschen Kinos. Zur Einstimmung heute eine Kritik zu Mockingjay – Teil 1, in dem die jugendliche Protagonistin Katniss Everdeen erstmals nicht in einer Arena gegen Gleichaltrige antreten muss.

Seit der erfolgreichen Veröffentlichung von Die Tribute von Panem – The Hunger Games im Jahr 2012 hat es eine ganze Reihe von dystopischen Jugendbuchverfilmungen gegeben. Die unterschiedlichen Franchises übertrumpfen sich hierbei vor allem in der Unglaubwürdigkeit ihres Settings: Da werden Jugendliche in Labyrinthe eingesperrt, die gesamte Bevölkerung zwangsweise nach Persönlichkeitsmerkmalen sortiert (und wehe, jemand hat zwei) oder das Empfinden von Emotionen und Wahrnehmen von Farben(!) wird durch Medikamente unterdrückt. Der Trendsetter dieses Genres ist im Vergleich angenehm realistisch: Eine Diktatur verspricht ihrer Bevölkerung Sicherheit und Ordnung, nimmt ihr dafür jedoch Freiheit und Reichtum. Außerdem wird jährlich ein Wettkampf abgehalten: Bei den sogenannten Hungerspielen sendet jeder der zwölf Distrikte des Landes zwei zufällig ausgewählte Jugendliche in eine Arena, wo diese vor laufenden Fernsehkameras in einem Kampf auf Leben und Tod gegeneinander antreten.

Jennifer Lawrence
Diese Grundidee ist in ihrer Mischung aus Running Man (1987) und Battle Royale (2000) zwar nicht unbedingt revolutionär, aber immerhin einigermaßen glaubwürdig. Der erste Teil der Filmreihe, der eine Ausgabe der Hungerspiele aus Sicht der Teilnehmerin Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) erzählt, funktioniert dabei vor allem durch seine sehr guten Darsteller und eine gelungene Regie, krankt aber ein wenig an dem Problem, eine eigentlich sehr blutrünstige Story so inszenieren zu müssen, dass diese für ein jugendliches Publikum geeignet ist. Der zweite Teil, Catching Fire (2013), geht dann zum Glück etwas andere Wege: Vor allem die erste Hälfte des Films konzentrierte sich darauf, die Funktionsweise des von Präsident Snow (Donald Sutherland) geführten Regimes zur zeigen und dessen Versuche, Katniss für propagandistische Zwecke einzusetzen. Wenn es dann in der zweiten Hälfte des Films erneut in die Arena geht, fühlt sich dies fast wie ein Rückschritt an.

Das dritte Buch der Reihe wurde, wie es seit Harry Potter immer üblicher wird, für die Verfilmung in zwei Teile geteilt. Etwas schwierig ist hierbei, dass die Buchvorlage zu Mockingjay mit gut 400 Seiten kaum mehr als halb so lang ist wie Rowlings Die Heiligtümer des Todes. Während die Handlung bei Harry Potter daher in den beiden Filmen trotz Aufteilung recht flott erzählt wird, merkt man Mockingjay – Teil 1 an einigen Stellen durchaus an, dass der Stoff die insgesamt mehr als vier Stunden Laufzeit nicht so wirklich hergibt. Während das Problem freilich niemals die Ausmaße von Peter Jacksons Hobbit-Trilogie annimmt (siehe meine Kritik zu Eine unerwartete Reise), gibt es deshalb durchaus Szenen (zum Beispiel die Jagd im Wald), die ein wenig überflüssig oder unnötig ausgedehnt wirken.

Julianne Moore (2014)
Die Handlung geht dabei deutlich andere Wege als in den ersten beiden Teilen: Nach der erfolgreichen Sabotage der Hungerspiele am Ende des letzten Teils findet sich Katniss traumatisiert in einem Rebellenstützpunkt unter der Oberfläche des seit dem letzten Bürgerkrieg eigentlich völlig verlassenen Distrikt 13 wieder. Unter Führung von Präsidentin Alma Coin (Julianne Moore) hat sich hier eine Gruppe von Menschen versammelt, die daran arbeitet, die Herrschaft des Kapitols endgültig zu beenden. Während Katniss in Catching Fire für Propaganda der Regierung eingesetzt wurde, findet sie sich nun in der Position wieder, für die Gegenseite eine ähnliche Rolle einzunehmen. Eine Aussicht, der sie anfangs mit einer gesunden Portion Skepsis begegnet. Diese Zurückhaltung beginnt nach dem Besuch ihres Heimatdistriktes, der als Vergeltungsaktion von der Regierung völlig zerstört wurde, jedoch bald zu schwinden und die junge Frau entwickelt sich mehr und mehr zur Symbolfigur der Revolution.

Dieses Mal begibt sich der Film nach dieser Einführung glücklicherweise nicht erneut in die Arena, sondern konzentriert sich auf den Kampf gegen Snows verbrecherisches Regime. Hierbei schafft es Regisseur Francis Lawrence mit Hilfe der gelungenen Filmmusik von James Newton Howard einige emotional sehr wirksame Momente zu inszenieren. Wenn Katniss an einem Fluss beginnt ein Lied zu singen und dann zu einer Gruppe Menschen geschnitten wird, die dasselbe Lied singend losziehen, um einen Staudamm zu sprengen, ist dies in seiner Revolutionsromantik durchaus wirkungsvoll. Und auch die zwischenmenschlichen Konflikte sind interessant: Peeta, der in den ersten beiden Teilen an Katniss' Seite gekämpft hat, ist nun unerwartet in Propaganda-Spots des Kapitols zu sehen, in denen er zu einem Waffenstillstand aufruft. Während er hierfür von den anderen Rebellen verachtet wird, glaubt Katniss, dass er vom Kapitol zu diesen Aussagen gezwungen wird.

Auch wenn Mockingjay – Teil 1 im Grunde mitten in seiner Geschichte endet, ist es den Machern gelungen, einen spannenden Höhepunkt zu inszenieren, der dem Film einen geschlossenen Eindruck verleiht. Die gelegentlich auftretenden Logiklöcher und anderen Schwächen werden hierbei gut durch die hervorragenden Darsteller wieder aufgewogen. Besonders Jennifer Lawrence schafft es mit ihrem nuancierten Spiel, der Protagonistin eine Tiefe zu verleihen, die die eigentliche Story nur in seltenen Momenten besitzt.

Auch der dritte Ausflug nach Panem liefert wieder gutes Popcorn-Kino. Durch den Verzicht auf ein erneutes Zeigen der Hungerspiele und eine Konzentration auf den dystopischen Kern der Geschichte wirkt der Film keineswegs wie ein lahmer Aufguss seiner Vorgänger sondern bildet die logische Fortsetzung einer Heldenreise, die nur ein Ende kennen kann: Die engültige Konfrontation zwischen Katniss Everdeen und Präsident Snow.


Urheber des Fotos von Jennifer Lawrence ist Gage Skidmore. Es steht unter der Creative-Commons Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) .
Urheber des Fotos von Julianne Moore ist Georges Biard. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

Mittwoch, 20. Mai 2015

Filmkritik: Mad Max: Fury Road (2015)

Im Action-Reboot Mad Max: Fury Road ist der von Tom Hardy gespielte Protagonist mehr als einmal auf weibliche Hilfe angewiesen. Aus diesem Grund wird der Film im englischsprachigen Internet mancherorts als „feministische Propaganda“ bezeichnet. Dabei stellt sich die Frage, was von beidem eigentlich erschütternder ist: Dass starke Frauen im Blockbuster-Kino immer noch die Ausnahme sind oder dass die Abkehr von dieser Praxis von manchen tatsächlich als eine negative Entwicklung angesehen wird …

Wenn man einen Blick auf die Kinohits des 21. Jahrhunderts wirft, führt an Marvel kein Weg vorbei. Mit weltweiten Einnahmen von über 8 Milliarden Dollar ist das Cinematic Universe des Studios das erfolgreichste Franchise der letzten Jahrzehnte, weit vor Harry Potter oder Der Herr der Ringe. Die Rettung der Welt scheint dabei jedoch vor allem Männersache zu sein: Von den sechs Avengers ist nur einer weiblich, Black Widow, und sie ist neben Hawkeye auch das einzige Mitglied des Teams, das noch keinen eigenständigen Film spendiert bekommen hat.
Dieser Umstand ist natürlich keineswegs neu, schon in den 80ern waren es Stallone und Schwarzenegger, die die Kinosäle zum knallen brachten und wenn man noch weiter zurückblickt, musste bereits in der Stummfilmzeit die Jungfrau in Nöten vom männlichen Helden gerettet werden und nicht etwa umgekehrt. Umso erfrischender ist es da, wenn ein Filmemacher sich für einen anderen Weg entscheidet.

Tom Hardy (2010)
Bei Mad Max: Fury Road ist dies jedoch erst auf den zweiten Blick der Fall, denn auch dieser Film hat einen männlichen Helden im Mittelpunkt seiner Geschichte. In einer dystopischen Zukunft, in der es kaum noch Wasser gibt und die wenigen verbliebenen Städte von unterschiedlichen Gangs beherrscht werden, gerät Max Rockatansky (Tom Hardy) in die Fänge des Herrschers Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne), der seinen Sitz in der Zitadelle, einem Fels mit geheimen Wasserreserven, hat. Als die Imperatorin Furiosa (Charlize Theron) mit einem gepanzerten Tanklaster Joes fünf Ehefrauen aus ihrer Gefangenschaft befreit, wird Max bei der anschließenden Verfolgungsjagd als lebende Blutreserve für das kränkliche Gangmitglied Nux (Nicholas Hoult) mitgenommen. Max gelingt es sich zu befreien und ihm bleibt wenig anderes übrig, als sich mit Furiosa zu verbünden, um zu überleben. Diese hat das Ziel, in ihre Heimat zurückzukehren – dem Grünen Ort an dem es noch Pflanzen und Wasser geben soll …

Dem australischen Regisseur George Miller gelang mit seinem 1979 veröffentlichten dystopischen Actionfilm Mad Max ein Überraschungserfolg. Bei einem Budget von gerade einmal 400.000 Dollar nahm der Film weltweit über 100 Millionen Dollar ein und war damit lange Zeit relativ gesehen der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Es folgten zwei Fortsetzungen in denen der von Mel Gibson verkörperte Ex-Polizist Max es mit unterschiedlichen Bösewichten aufnehmen musste. Auch in diesen waren Frauen meist nur in unwichtigeren Nebenrollen besetzt, einmal abgesehen von der von Tina Turner gespielten Widersacherin im dritten Teil Jenseits der Donnerkuppel (1985).

Im nun 30 Jahre später veröffentlichten Reboot Fury Road sind die Geschlechterrollen jedoch deutlich ausgeglichener. Max und Furiosa haben gleich viel Anteil an der (zumindest vorerst) erfolgreichen Flucht vor Immortan Joe und seinen War Boys und auch die fünf jungen und eher naiven Frauen bekommen mehrfach Gelegenheit, sich nützlich zu machen. In der zweiten Hälfte des Films stößt außerdem eine rein weibliche Motorradgang zur Gruppe dazu, deren Mitglieder zwar größtenteils ihren Lebensmittelpunkt bereits überschritten haben, die jedoch viel Kampferfahrung einbringen können.

Während professionelle Kritiker den Film fast einhellig lobten (die amerikanische Filmrezensions-Website Rotten Tomatoes zählt 98 % positive Kritiken), werden im Netz einige Stimmen laut, die den Film als feministische Propaganda verreißen. So beschreibt Aaron Clarey im explizit an „heterosexuelle, maskuline Männer“ gerichteten Blog Return of Kings den Film als „a feminist piece of propaganda posing as a guy flick“ und ruft dazu auf, den Film zu boykottiern.
Es ist wirklich erstaunlich, dass es schon ausreicht, einen Film zu drehen, in dem die Heldengruppe am Ende tatsächlich mehr Frauen als Männer beinhaltet, um sich dem Vorwurf feministischer Propaganda auszusetzten, während das gegenteilige Ungleichgewicht seit Jahrzehnten als gottgegeben hingenommen wird. Tatsächlich ist der Film trotzdem klar aus Max männlicher Perspektive inszeniert, was vor allem deutlich wird, wenn er ersmals die fünf jungen Frauen erblickt, die sich gerade  – natürlich in Zeitlupe – den Sand von der Haut waschen. Wirklich feministisch ist in diesem doch eher oberflächlichen Actionspektakel natürlich nichts. Doch manche fühlen sich offenbar schon in ihrer Männlichkeit angegriffen, wenn ein Film dieses Genres einmal keine sexistische Rollenverteilung aufweist.

Doch auch auf ästhetischer Ebene hebt sich Mad Max deutlich vom sonstigen Blockbusterkino der letzten Jahre ab. Während die Avengers, Fantastic Four und anderen Comic-Verfilungen meist in grau-blauer Farbgebung und metallisch-glatten Sets inszeniert werden, liefert Mad Max einen willkommenen Kontrast mit seinen rot-braun-gelben Farben und den schmutzigen und notdürftig zusammengeschustert aussehenden Uniformen und Fahrzeugen. Das Szenenbild lebt von vielen tollen Details und Design-Ideen und liefert eine glaubwürdige und gleichzeitig toll aussehende Darstellung einer Gesellschaft, die sich in vielen Jahren an das Leben in der Wüste angepasst hat. Dies ist auch eine deutliche Weiterentwicklung zur alten Trilogie, die teilweise doch eher nach dem Australien der 80er Jahre als nach einer post-apokalyptischen Welt aussieht.

Der Film war anscheinend von Anfang an als eine zweistündige Verfolgungsjagd geplant und tatsächlich liefert er insgesamt nur wenig mehr als das. Durch die gut inszenierte Action (zum Glück keine Wackelkamera à la Michael Bay) und die spektakulären, weitgehend ohne CGI realisierten Stunts reicht dies jedoch tatsächlich aus, um über die ganze Laufzeit ausgezeichnet zu unterhalten. Die minimalistische Handlung, die skurrilen Charaktere und viele verrückte Ideen (einer der Streitwagen ist z.B. ausschließlich dafür da, die Jagd mit Trommeln und einer feuerspeienden E-Gitarre zu begleiten) geben Fury Road trotz seines 150 Millionen Dollar Budgets außerdem ein erfrischendes B-Movie-Flair.

Wer hinter toughen Frauen im Kino Propaganda wittert, sollte um Mad Max: Fury Road wahrscheinlich besser einen großen Bogen machen. Für alle anderen liefert Regisseur George Miller einen erfrischend anderen Actionfilm, der es trotz einer eher flachen Story schafft, durch tolles Design und spektakuläre Stunts für einen gelungenen Kinoabend zu sorgen.

Urheberin des Fotos von Tom Hardy ist Vanessa Lua. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

Dienstag, 28. April 2015

Filmkritik: Caché (2005)

Michael Haneke ist dafür bekannt, mit seinen Filmen gerne die Erwartungen der Zuschauer zu unterlaufen. Auch Caché ist nur scheinbar ein Thriller über mysteriöse Videobänder. Tatsächlich interessiert sich der österreichische Regisseur jedoch viel mehr für die Vergangenheitsbewältigung seiner Hauptfiguren als für die Auflösung seiner Geschichte.

Dieser Text enthält Spoiler. Da die Thriller-Geschichte für Haneke jedoch nur Mittel zum Zweck ist, kann diese Kritik meiner Meinung nach dennoch auch vor Sehen des Filmes gelesen werden.

Der Fernsehmoderator Georges (Daniel Auteuil) und die Verlagsmitarbeiterin Anne (Juliette Binoche) leben mit ihrem Sohn Pierrot (Lester Makedonsky) in Paris. Als ein Unbekannter plötzlich beginnt, der Familie rätselhafte Videoaufnahmen ihres Hauses zukommen zu lassen, beginnt ihr geordnetes Leben bald aus den Fugen zu geraten. Da den Kassetten keine Drohungen sondern nur seltsame Zeichnungen beigelegt sind, ist die Polizei machtlos. Bald beginnt Georges einen Menschen aus seiner Kindheit zu verdächtigen

Die Geschichte erinnert ein wenig an Lost Highway (1997), doch stilistisch hat Caché nur wenig mit David Lynchs surrealistischen Thriller gemein. Haneke gelingt es zwar zu Beginn durchaus eine ähnlich bedrohliche Stimmung aufzubauen, doch bald steht nicht mehr die Suche nach dem Urheber der Videobänder im Vordergrund, sondern ein Geheimnis aus Georges Vergangenheit: Als Kind hat er eine schwere Schuld auf sich geladen und er glaubt, dass die Videokassetten hiermit in Zusammenhang stehen könnten.

Ob dies tatsächlich stimmt, bleibt jedoch unklar. Es ist nicht unbedingt leicht, sich von der Mystery-Komponente der Handlung zu lösen, so sehr wünscht man sich eine Antwort auf die Frage „Wer hat denn jetzt wirklich die Videokassetten geschickt?“ Im Endeffekt lautet die Antwort wahrscheinlich einfach: Haneke selbst war es, weil er wissen wollte, wie diese Familie darauf wohl reagieren würde. Unter der Oberfläche handelt es sich bei Caché deshalb eigentlich gar nicht um einen Thriller, sondern eher um ein nüchternes Drama über die Frage, wie man als Erwachsener mit verwerflichen Taten umgehen soll, die man als Kind begangen hat. Denn auch wenn man vielleicht zu jung gewesen ist, um die Konsequenzen der eigenen Handlungen absehen zu können, ist man dennoch verantwortlich für ihre Folgen.

Michael Haneke (2014)
Auch auf inszenatorischer Ebene ist Caché durchaus gelungen. Besonders hervorzugeben ist hierbei, wie auf die Fiktionalität der filmischen Bilder verwiesen wird. Zwar nimmt dies nie solche Ausmaße an wie in der berühmten Rückspul-Szene in Funny Games (1997), doch sind die Grenzen zwischen den Aufnahmen, in denen der Film erzählt wird und den Aufnahmen, die von Personen der Handlung gemacht oder angesehen werden, fließend. So entpuppt sich beispielsweise die erste Totale des Wohnhauses, über die der Vorspann läuft, als eines der Videos, das anschließend vom Ehepaar gespult und aus dem Off kommentiert wird. In einer späteren Szene spricht Georges bei der Aufzeichnung seiner Literatursendung in die Kamera, nach Ende der Aufnahme erfolgt jedoch kein Schnitt, sondern dieselbe Kamera verfolgt den Protagonisten hinter das Set, verwandelt sich also von einem Teil der Filmwelt zum unsichtbaren Auge des Regisseurs.

All diese Faktoren machen Caché zwar durchaus zu einem interessanten, aber dennoch nicht unbedingt zu einem besonders spannenden Film. Die relativ lange Laufzeit, die nüchtern-realistische Erzählweise und das Fehlen von wirklich emotional intensiven Momenten hat mich doch öfters auf die Uhr schauen lassen. Für Fans von Haneke oder der eher spröderen Seite des europäischen Autorenkinos ist Caché dennoch zu empfehlen.


Urheber des Fotos von Michael Haneke ist Manfred Werner. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).