Mittwoch, 7. November 2012

Kurzkritiken November 2012

Nicht bei jedem Film bietet es sich an, eine längere Rezension zu verfassen. Aus diesem Grund werde ich in Zukunft zusätzlich zu meinen längeren Filmbesprechungen auch gelegentlich gesammelte Kurzkritiken zu Filmen veröffentlichen, die ich in den vorangegangenen Wochen gesehen habe. Den Anfang mache ich heute mit einer bunten Mischung: Der eher unbekannten Literaturverfilmung Ballet Shoes mit Emma Watson, der im Frühjahr auf DVD erschienenen irischen Komödie The Guard - ein Ire sieht schwarz, Woody Allens Klassiker Manhattan und dem ersten vollständig computeranimierten Langfilm Toy Story.

Ballet Shoes (2007)

Emma Watson (2012)
Nachdem ein Paläontologe (Richard Griffiths) seine Nichte Sylvia (Emilia Fox) adoptiert, bringt er im Laufe der Jahre drei Babys von seinen Reisen mit, die von Sylvia großgezogen werden. Als sie älter sind, beschließen Pauline (Emma Watson), Petrowa (Yasmin Paige) und Posy (Lucy Boynton), auf eine Tanz- und Schauspielschule zu gehen, doch während Pauline bald die Hauptrolle in Alice im Wunderland spielt und Posy große Fortschritte im Ballett-Tanz macht, würde Petrowa eigentlich viel lieber Automechanikerin werden. Doch das ist nicht das einzige Problem: Geldsorgen und Sylvias angeschlagene Gesundheit lassen die Zukunft sehr ungewiss erscheinen...

Ballet Shoes ist eine Literaturverfilmung der BBC des gleichnamigen Buches von Noel Streatfeild aus dem Jahre 1936. Die schauspielerischen Leistungen sind sehr gut, doch es wirkt etwas befremdlich, dass drei Darsteller (Richard Griffiths, Emma Watson und Gemma Jones) aus den Harry-Potter-Filmen bekannt sind. Die musikalische Untermahlung von Kevin Sargent, die auf dem Ballett-Stück Tanz der Zuckerfee basiert, hat mir gut gefallen und auch Regie und Kameraarbeit sind für eine Fernsehproduktion auf hohem Niveau. Leider weiß die Geschichte nach ungefähr zwei Dritteln nicht mehr wirklich, wo sie eigentlich hin will, weshalb sich alles in einem sehr unglaubwürdigen Happy-End auflöst. Insgesamt ist Ballet Shoes daher trotz allem eher oberflächliche Unterhaltung, von der wenig hängen bleibt.


The Guard – Ein Ire sieht schwarz (2011)

Brendan Gleeson (2005)
Der zynische irische Polizist Gerry Boyle (Brendan Gleeson) arbeitet in einem verschlafenen Städtchen an der irischen Westküste. Dass er nach dem Tod eines Mitglieds eines Drogenhändlerrings mit dem afroamerikanischen FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle) zusammenarbeiten muss, passt ihm gar nicht in den Plan. Doch als klar wird, dass der nächste Coup der Bande in Boyles Zuständigkeitsbereich stattfinden wird und dann auch noch sein Partner McBride verschwindet, wird schnell klar, dass dem Guard nichts anderes übrig bleiben wird, als mit Everett zu kooperieren...

Der erste Spielfilm von John Michael McDonagh, dem Bruder von Regisseur Martin McDonagh (Brügge sehen... und sterben?), ist durchaus unterhaltsam geraten. Der schwarze Humor und die schrägen Charaktere funktionieren gut, doch leider ist The Guard – ein Ire sieht schwarz etwas holprig. Vor allem die erste halbe Stunde ist eher eine Ansammlung an skurrilen, fast ausnahmslos aus dem Trailer bekannten Szenen, als dass man hier wirklich von einer gelungenen Einleitung sprechen kann und später wird es dann auch eher vorhersehbar. So sind es vor allem die Schauspieler, die diesen Film tragen (und ja, mit Brendan Gleeson haben wir auch hier einen Vertreter aus den Harry-Potter-Filmen). Natürlich unterhält aber auch der eine oder andere gelungen Einfall, wie Gangster, die von typischen Gangster-Film-Sprüchen genervt sind. Insgesamt aber eher durchschnittlich.


Manhattan (1979)

Der für das Fernsehen schreibende Isaac (Woody Allen) hat es schwer mit den Frauen. Zwei Scheidungen hat er bereits hinter sich und auch die Beziehung zu der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) sieht er aufgrund des Altersunterschiedes als nicht zukunftsfähig an. Als er sich dann auch noch in die Geliebte seines bestens Freundes verliebt und eine seiner Ex-Frauen in einem Buch Isaacs intimsten Geheimnisse enthüllt, ist das Chaos perfekt...

Manhattan ist, wie der Titel schon vermuten lässt, eine Liebeserklärung an New York. Und tatsächlich sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Stadt, unterlegt mit der Musik von George Gershwin, schön anzusehen. Wie schon in Der Stadtneurotiker (1977) ist die Handlung der Geschichte dabei eher sekundär, Woody Allen konzentriert sich vor allem auf intelligente, humorvolle Dialoge und Situationen zwischen den von exzellenten Darstellern gespielten Protagonisten. Dabei erreicht Manhattan die Witzigkeit seines Vorgängers jedoch leider nicht, weshalb die eher uninteressante Story nach einer Weile deutlich auffällt. Und auch die wenigen ernsteren Szenen wirken eher unpassend, als dass sie den Film auf ein höheres Niveau heben würden. Dass Manhattan als einer von Allens besten Werken gilt, kann ich daher leider nicht ganz nachvollziehen, da gefiel mir Midnight in Paris beispielsweise deutlich besser.


Toy Story (1995)

Wir haben es als Kinder doch schon immer geahnt: Wenn wir den Raum verlassen, erwachen unsere Spielzeuge zum Leben. Auch im Kinderzimmer des kleinen Andy ist dies nicht anders. Als eines Tages ein Geburtstagsgeschenk, der überhebliche Captain Buzz Lightyear, die Rolle des Lieblingsspielzeugs einzunehmen droht, plant der bisherige Amtsinhaber Cowboy Woody einen hinterhältigen Anschlag. Doch alles geht schief und Woody und Buzz gehen gemeinsam verloren. Um wieder nach Hause zu kommen müssen die beiden Rivalen von nun an zusammenarbeiten...

17 Jahre ist es nun also schon her, als der erste abendfüllende computeranimierte Film in die Kinos kam. Und dem Begründer eines ganzen Genres sieht man sein Alter durchaus an. Die Animationen sind eher rudimentär, vor allem in der Darstellung von menschlichen Gesichtern ist noch eine gewisse Leblosigkeit zu erkennen. Doch wirklich stören tut das nicht, denn Toy Story ist witzig und spannend und mit vielen Anspielungen an die Filmgeschichte und natürlich an berühmte Spielzeuge gespickt und ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene ein einfach gut unterhaltender Film. Die Gesangseinlagen vom Komponisten Randy Newman wirken allerdings etwas deplatziert. Zum Glück wurde auf diese in späteren Filmen der Pixar-Studios verzichtet.


Urheber des Fotos von Emma Watson ist David Shankbone. Es seht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0)
Urheber des Fotos von Brendan Gleeson ist Mario Antonio Pena Zapatería. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Attribution-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

Kommentare:

  1. Hi, ich fand The Guard viel besser, als hier dargestellt. Der Film hat mich damals mit seinem Witz und seinen unkonventionellen Mitteln überzeugt. Genau wie Brügge sehen und sterben...

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    1. Mit der Meinung bist du sicher nicht allein, der Film bekommt ja generell viel Lob. Aber in "Brügge..." gibt es eben nicht nur den unkonventionellen Witz, sondern auch eine zweite, melancholische Ebene und der Protagonist ist deutlich vielschichtiger als Boyle. So ein Gegengewicht zum Humor fehlt im Guard leider. Aber das ist natürlich, wie immer, Geschmackssache.

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  2. Ja stimmt. "Brügge..." war noch ein Tick vielschichtiger und hatte mehr Tiefe. Aber das Gegengewicht in "Guard" würde ich in der Weltfremdheit von Boyle sehen und in eben dieser Kritik, die sich teilweise auch melancholisch entfaltet. Eine ernste Ebene ist da doch zu erkennen.

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