Freitag, 9. August 2013

Filmkritik: Die Unbestechlichen (1976)

Heute vor 39 Jahren, am 9. August 1974, trat Richard Nixon als erster Präsident der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurück. Ursache war der sogenannte Watergate-Skandal: Mehrere illegale Praktiken der Regierung wurden aufgedeckt, zu denen u.a. die versuchte Verwanzung der Zentrale einer Unterorganisation der Demokratischen Partei gehörte. Einen erheblichen Anteil an der Aufklärung dieser Affäre hatten zwei Journalisten der Washington Post, deren Geschichte in dem Polit-Thriller Die Unbestechlichen erzählt wird.

Manche Filme sind zeitlos. Wenn man einen Western aus den 40er Jahren anguckt, dann mag dieser stellenweise etwas angestaubt wirken, doch grundsätzlich ist solch ein Film heute noch genauso leicht zu konsumieren wie bei seiner Premiere. Der Kampf eines gutherzigen Sherrifs gegen ehrlose Banditen ist heute genauso spannend anzusehen wie damals und es wird kaum Hintergrundwissen zu den gezeigten Ereignissen vorausgesetzt.

Regisseur Alan J. Pakula (1990)
Andere Filme richten sich jedoch deutlich an ein zeitgenössisches Publikum. Ein Beispiel hierfür ist der Polit-Thriller Die Unbestechlichen von 1976. Zum Zeitpunkt seiner Premiere war die Watergate-Affäre in den USA bereits jahrelang in Presse und Fernsehen ausgebreitet worden und so konnten Regisseur Alan J. Pakula und Drehbuchautor Wiliam Goldman von genug Vorwissen ausgehen, um nicht die ganze Geschichte nacherzählen zu müssen, sondern sich stattdessen auf zwei Individuen konzentrieren zu können, die eine wichtige Rolle in der Aufklärung des Skandals spielten. So verfilmten sie das Sachbuch All the President's Men (dt. Die Watergate-Affäre), in der die beiden Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward berichten, wie sie eine der größten Verschwörungen der amerikanischen Geschichte aufdeckten. Doch heute, beinahe 40 Jahre später, sind die Namen der in den Skandal involvierten Politiker weitgehend unbekannt, wodurch der Film inzwischen teilweise schwer verständlich ist.

Die Unbestechlichen beginnt mit dem Einbruch in den Watergate-Gebäudekomplex in Washington D.C. am 17. Juni 1972. Fünf Männer versuchen, in die Zentrale des Democratic National Comittee einzudringen und diese mit Abhöreinrichtungen zu versehen, doch sie werden entdeckt und verhaftet. Vor Gericht verweigern die Männer die Aussage und die Hintergründe bleiben daher vorerst unklar. Doch zwei Reporter der Washington Post, Carl Bernstein (Dustin Hoffman) und Bob Woodward (Robert Redford), finden bei ihren Recherchen Hinweise darauf, dass Mitarbeiter von Nixons Committee for the Re-Election of the President die Fäden gezogen haben könnten. Doch die wenigen Menschen, die bereit sind, mit den Journalisten über das Thema zu sprechen, wollen anonym bleiben und Chefredakteur Ben Bradlee (Jason Robards) ist daher zuerst zögerlich, ob diese schweren Anschuldigungen wirklich den Weg in seine Zeitung finden sollten...

Robert Redford (2005)
Nach und nach wird die Verschwörung durch die beiden Protagonisten aufgeklärt. Die Schwierigkeit, dem Ganzen zu folgen, wenn etliche Namen genannt werden, die man noch nie zuvor gehört hat, macht den Filmkonsum keineswegs zu einer entspannten Angelegenheit. Dennoch ist der Film auch heute noch ausgesprochen sehenswert. Obwohl manchmal der Eindruck entsteht, dass in Die Unbestechlichen fast ausschließlich telefoniert wird, schafft es Pakula, eine ungeheure Spannung zu entwickeln. Dies liegt auch an den großartigen Hauptdarstellern, die ihre Figuren überzeugend verkörpern, so dass sich deren Aufregung, Anspannung und Begeisterung schnell auf das Publikum überträgt. Pakula unterstützt die hervorragende Arbeit seiner Schauspieler, indem er ihnen in langen ungeschnittenen Einstellungen Gelegenheit zur Entfaltung gibt. Herzstück des Films ist daher auch eine sechsminütige Einstellung, in der Woodward in einem langsamen Zoom gezeigt wird, während er telefonisch eine wichtige Information enthält. Redford spielt hier so großartig, dass sogar ein Versprecher des Schauspielers nicht herausgeschnitten wurde: Er nennt seinen Gesprächspartner beim falschen Namen und korrigiert sich kopfschüttelnd, doch da Redford seine Rolle nicht verlässt, wirkt dieser Fehler wie ein bewusstes Stilmittel, um die Aufgeregtheit der Figur zu verdeutlichen.

Auch die Nebenrollen sind perfekt besetzt. Neben Jason Robards, der für seine Rolle als Chefredakteur den Oscar erhielt, können auch Martin Balsam und Hal Holbrook (die bereits in Die zwölf Geschworenen zusammenarbeiteten) als erfahrene Redaktionsmitglieder überzeugen. Das ebenfalls mit einem Academy Award ausgezeichnete Szenenbild von George Jenkins und George Gaines stellt die Redaktionsräume der Washington Post in perfektionistischer Detailgenauigkeit nach (selbst die Schreibtische stammten vom selben Hersteller wie die Originale) und Kameramann Gordon Willis inszeniert das Großraumbüro in Bildern mit einer beeindruckenden Tiefenwirkung.

Richard Nixons Vereidigung 1973
Das Ende des Films könnte auf einige Zuschauer etwas abrupt wirken, denn die Handlung bricht in dem Moment ab, in dem Nixon zu seiner zweiten Amtszeit vereidigt wird und die beiden Journalisten gerade an dem Artikel schreiben, der dazu beigetragen hat, dass diese von nur kurzer Dauer war. Alle weiteren Ereignisse werden lediglich in kurzen Agenturmeldungen zusammengefasst. Doch dies ist letztendlich nur logisch, denn schließlich handelt es sich nicht um einen Film über Richard Nixon oder über Watergate, sondern um einen Film darüber, welchen Anteil Bernstein und Woodward an der Aufklärung des Skandals hatten.

Ohne Hintergrundwissen ist es nicht immer leicht, der Story von Die Unbestechlichen zu folgen und das Ende könnte auf Zuschauer, die mit dem Watergate-Skandal nicht im Detail vertraut sind, unbefriedigend wirken. Doch wenn man sich darauf einlässt, dass hier nicht der Skandal selbst sondern die journalistische Arbeit der beiden Protagonisten im Vordergrund steht, wird man mit einem Film belohnt, der ohne Frage als einer der besten Polit-Thriller aller Zeiten bezeichnet werden kann.

Urheber des Fotos von Alan J. Pakula ist Towpilot. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).
Urheber des Fotos von Robert Redford ist Steve Jurvetson. Es steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY 2.0).

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