Mittwoch, 16. Januar 2013

Filmkritik: Die Vampirschwestern (2012)

Seit dem Erfolg des Twilight-Franchises sind Vampire im Kino nicht mehr nur in Horror-Filmen anzutreffen, sondern tummeln sich in den unterschiedlichsten Genres. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch der deutsche Kinderfilm den Blutsaugern annehmen würde. Und das mit Erfolg: Die Vampirschwestern haben inzwischen schon über 500.000 Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt.

Laura Roge und Marta Martin sind Die Vampirschwestern
© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH / Heike Ulrich
Die beiden Halbvampire Daka (Laura Roge) und Silvania (Marta Martin) ziehen aus dem fernen Rumänien in eine deutsche Kleinstadt. Während die menschliche Mutter Elvira (Christiane Paul) alles dafür tut, dass ihre Familie so deutsch wie nur irgendwie möglich wird, ist es für Vampir-Vater Mihai (Stipe Erceg) viel wichtiger, dass seine beiden Mädchen das Fliegen lernen. Das dunkle Geheimnis der Familie bleibt jedoch nicht lange unbemerkt: Der spießige Dirk van Kombast (Michael Kessler) entdeckt die wahre Identität seiner neuen Nachbarn und tut von nun an alles, um sein Viertel wieder vampirfrei zu machen.

In der Schule lernt Silvania währenddessen den netten Jacob (Jeremias Meyer) kennen. Sie wäre gerne ein ganz normaler Mensch, um auch bei strahlendem Sonnenschein mit ihm ins Schwimmbad gehen zu können. Daka hingegen will mit Menschen eigentlich gar nichts zu tun haben und wäre lieber ein echter Vollblut-Vampir wie ihr Vater. Als die Schwestern in der Fußgängerzone den Laden eines verschrobenen Magiers (Richy Müller) finden, scheint die Erfüllung dieser Wünsche tatsächlich in greifbare Nähe zu rücken...

Michael Kessler als Vampirjäger van Kombast
© 2012 Sony Pictures Releasing GmbH / Heike Ulrich
Wolfgang Groos’ Verfilmung von Franziska Gehms erfolgreicher Kinderbuchserie ist klar für ein Publikum im späten Grundschulalter konzipiert. Daher sind überraschende Wendungen in dieser Geschichte natürlich genau so wenig zu erleben wie ein tatsächlicher Vampirbiss. Dennoch kann man auch als Erwachsener bei diesem Film durchaus seinen Spaß haben. Dies liegt vor allem an den tollen Schauspielern: Die Hauptdarstellerinnen Laura Roge und Marta Martin wachsen einem sofort ans Herz und auch die anderen Kinder liefern eine überzeugende Performance ab. Dem aus der Comedy-Sendung Switch Reloaded bekannten Michael Kessler ist die Rolle des tollpatschigen Nachbarn wie auf den Leib geschnitten und auch Richy Müller ist seine Spielfreude bei der Verkörperung des seltsamen Magiers Ali Bin Schick deutlich anzusehen. Lediglich die Eltern der Schwestern bleiben leider ein wenig ‚blass‘.

Der vampirkundige Zuschauer wird zudem mit mannigfachen Anspielungen an das Genre verwöhnt: Die Familie stattet nach ihrer Ankunft das Haus sofort mit Särgen und Heimaterde aus, während sich Dirk van Kombast mit Knoblauch und Weihwasser bewaffnet. Dabei weckt das "van" seines Nachnamens natürlich Erinnerungen an den Vampirjäger Van Helsing aus Bram Stokers Dracula-Roman und konsequenterweise werden die im Onlineshop bestellten Anti-Vampir-Waffen auch von „Smith & Helsing“ hergestellt.
Regie, Kamera, Schnitt und Spezialeffekte bewegen sich allesamt auf einem hohen Niveau und auch der Humor findet eine gute Balance zwischen Situationskomik und Slapstick. Eine handvoll Flatulenz- und Durchfallwitze haben leider dennoch ihren Weg in das Drehbuch gefunden, diese bleiben aber zum Glück die Ausnahme.

Kinder werden bei diesem Film sowieso ihren Spaß haben. Und wie es sich für einen guten Kinderfilm gehört, gibt es natürlich auch eine Message über Selbstvertrauen und Toleranz, die leider durch das Titellied „Ich bin ich“ von Glasperlenspiel ein bisschen zu dick aufgetragen wird, aber auch das ist wohl der Zielgruppe geschuldet. Apropos Zielgruppe: Auch wenn der Film von der FSK ohne Altersbeschränkung freigegeben wurde, ist Die Vampirschwestern meiner Meinung nach für Kinder unter 8 Jahren eher nicht geeignet, da es zwei Stellen gibt, an denen es dann doch ein bisschen gruselig wird. Denn immerhin handelt es sich hier ja immer noch um einen Vampirfilm...

Die Vampirschwestern liefert ungefähr das, was man von einem gut gemachten Kinderfilm erwartet: Eine seichte aber durchaus unterhaltsame Story, toll gespielt und technisch einwandfrei umgesetzt. Zusammen mit der wichtigen Message also eine uneingeschränkte Empfehlung für Schulkinder zwischen 8 und 12 Jahren. Und das Versprechen, dass sich auch die Eltern keinesfalls langweilen werden.

Kommentare:

  1. Klingt witzig ^_^ :)

    Liebe Grüße, Maike

    http://fashion-is-a-shelter.blogspot.de/

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  2. Wir fanden eher grauselig: http://www.booknerds.de/2013/09/die-vampirschwestern-spielfilm-dvd-blu-ray/

    (Sorry, voriger Post war fehlerhaft, den bitte löschen)

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    1. Das kommt vielleicht auch ein bisschen auf die Erwartungshaltung an. Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet und war dann doch recht positiv überrascht. Aber im Endeffekt sind wir natürlich beide nicht die Zielgruppe, man müsste eigentlich mal die jungen Zuschauer interviewen, wie denen der Film gefallen hat.

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